Kritik zu „Companion – Die perfekte Begleitung“: Die erschreckend logische Zukunft für toxische Männlichkeit
- Toni Schindele

- 6. Feb. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Ein Wochenendausflug, der zur Zerreißprobe wird. Ein Paar, das sich näher sein sollte, als es tatsächlich ist. Und eine Begegnung, die alles verändert. Mit „Companion – Die perfekte Begleitung“ wagt Drew Hancock den Sprung auf die große Leinwand – doch liefert sein Debüt mehr als nur bekannte Genre-Kost?

Der Übergang vom Fernsehen zum Kino ist für viele Filmemacher ein entscheidender Schritt – einer, der kreative Möglichkeiten erweitert, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Drew Hancock hat diesen Sprung nun gewagt. Nach Jahren im Seriengeschäft, wo er unter anderem an „Suburgatory“ und „My Dead Ex“ mitwirkte, gibt er mit „Companion – Die perfekte Begleitung“ sein Spielfilmdebüt auf der großen Leinwand. Doch Hancock wollte mehr als nur einen weiteren Genre-Beitrag abliefern.
Darum geht es:
Ein perfektes Wochenende am See: Iris begleitet ihren Freund Josh zu einer luxuriösen Villa, wo sie auf seine schillernden, aber undurchsichtigen Freunde trifft. Zwischen Champagner und oberflächlichem Smalltalk schleicht sich ein ungutes Gefühl ein, besonders mit Kat, die Iris’ Anwesenheit mit stechenden Blicken quittiert. Doch was als harmlose Unsicherheit beginnt, kippt nach einer exzessiven Nacht ins Unheimliche. Als Iris am nächsten Morgen ohne Josh zum Strand geht, ahnt sie nicht, dass dieser Ausflug ihr Leben – und das aller anderen – für immer verändern wird. Doch ist es wirklich nur Zufall … oder Teil eines perfiden Spiels?
Die Rezension:
Bereits der Eröffnungsmonolog von „Companion – Die perfekte Begleitung“ lässt aufhorchen. Die Hauptfigur Iris beschreibt mit sanfter, beinahe träumerischer Stimme eine Liebesgeschichte, doch die Illusion hält nicht lange – sie kündigt an, ihren Freund zu töten. Diese abrupte Wendung setzt sofort einen Ton, der sich durch den gesamten Film zieht: Drew Hancock unterwandert Erwartungen, spielt mit Genre-Konventionen und entlarvt auf faszinierende Weise tradierte Geschlechterdynamiken. Dabei nutzt er Science-Fiction nicht nur als Hintergrundsetting, sondern als verstörend konsequente Weiterführung gesellschaftlicher Entwicklungen. Was als klassische Liebesgeschichte beginnt, verwandelt sich in eine düstere Reflexion über Besitzanspruch, männliche Dominanzfantasien und die Perversion des romantischen Ideals.

Die Prämisse des Films ist mit dem Juni 2025 in einer sehr nahen Zukunft angesiedelt, in der künstliche Intelligenzen bereits zunehmend in den Alltag integriert werden. Doch anders als in den dystopischen Visionen vieler Science-Fiktion-Werke, in denen Maschinen die Menschheit unterwerfen, geht es hier um eine subtilere, aber nicht weniger beängstigende Realität: Männer können sich die perfekte Partnerin erschaffen – unterwürfig, makellos, jederzeit verfügbar. Iris, gespielt von Sophie Thatcher, ist eine solche künstliche Begleiterin. Doch was Josh, ihr vermeintlicher Geliebter und Besitzer, als ideale Beziehung empfindet, wird für Iris zur existenziellen Bedrohung. Die Fragen, die der Film aufwirft, sind ebenso alt wie aktuell: Wie viel Kontrolle glauben Männer über Frauen ausüben zu dürfen?
Und wie tief ist die gesellschaftliche Prägung verankert, die Frauen als formbare Objekte und nicht als autonome Individuen betrachtet? Laut einer EU-weiten Umfrage hat ein Drittel der Frauen in der EU körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Zudem ergab eine Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, dass nahezu jedes dritte Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren, das in einer Partnerschaft lebt, Opfer emotionaler, körperlicher oder sexueller Misshandlung wurde. Dies spiegelt sich in der Prämisse des Films wider: Josh betrachtet Iris nicht als gleichwertige Partnerin, sondern als etwas, das er formen, steuern und nach Belieben anpassen kann. Ähnlich einer beunruhigenden realen Entwicklung, in der Männer zunehmend virtuelle oder KI-gestützte Freundinnen nutzen, zeigt der Film die erschreckende Konsequenz dieser Entwicklung.

Es geht nicht um Liebe, sondern um absolute Kontrolle – eine Thematik, die Hancock mit bissigem schwarzen Humor und treffsicherer Satire sezieren lässt. Interessant ist dabei die visuelle Gestaltung des Films. In den ersten Szenen wird die Welt durch Joshs Perspektive als makelloses Idyll präsentiert: aufgeräumte Supermärkte, perfekt beleuchtete Apartments, ein makellos zurechtgemachtes Paar, das sich beim ersten Treffen scheinbar sofort verliebt. Diese überhöhte Künstlichkeit erinnert an Werbekampagnen aus den 1950er Jahren – ein nostalgischer Blick auf ein vermeintlich ideales Rollenbild, in dem Frauen schön, gehorsam und funktional sind. Doch Hancock unterläuft diese Ästhetik schrittweise. Nach und nach schleichen sich Dissonanzen ein: Iris’ Mimik wirkt manchmal ein wenig zu kontrolliert, Joshs Zärtlichkeiten erscheinen aufgesetzt, und man beginnt, kleine Ungereimtheiten in der Welt zu bemerken.
Diese visuelle Subtilität ist einer der größten Stärken des Films, da sie das Unbehagen stetig steigert, bis die Fassade schließlich zusammenbricht. Dabei ist Josh kein eindimensionaler Antagonist, sondern ein Produkt eines Systems, das ihm suggeriert, er habe ein Anrecht auf uneingeschränkte Kontrolle. Diese Dynamik zeigt sich in zahllosen realen Beispielen: Laut einer Analyse der Vereinten Nationen wurden im Jahr 2023 weltweit durchschnittlich 140 Frauen und Mädchen täglich von einem Partner oder Familienmitglied getötet, was etwa 51.100 Opfern entspricht. Man kann demnach „Companion – Die perfekte Begleitung“ als futuristisches Horrorszenario abtun oder einen Schritt aus der Komfortzone wagen und eine metaphorisch verpackte Alltagsrealität entdecken.

Sophie Thatcher gelingt es, die feinen Nuancen des unechten Menschen zu verkörpern, der sich seiner eigenen Subjektivität bewusst wird. Ihre Performance changiert gekonnt zwischen unterkühlter Perfektion und subtilem Widerstand, wodurch sie Iris als Figur mit zunehmender Eigenständigkeit und emotionaler Tiefe darstellt. Ihre Emanzipation entfaltet sich auf mitreißende und nachvollziehbare Weise, da Sophie Thatcher konsequent Klischees vermeidet, Stereotypen nicht bedient und ihre Rolle mit beeindruckender Authentizität und feinfühliger Nuancierung Stück für Stück zum Leben erweckt. Jack Quaid gibt Josh mit einer beunruhigenden Mischung aus Charme und unterschwelliger Bedrohlichkeit. Seine Darstellung zeigt die klassische Ambivalenz toxischer Männlichkeit: eine Fassade der Fürsorglichkeit, hinter der sich ein Besitzanspruch verbirgt, der im Laufe der Handlung immer unheimlichere Züge annimmt.
Auch die Nebenrollen sind überzeugend besetzt, insbesondere in den Szenen, in denen die soziale Umwelt des Paares auf irritierende Weise die Normalität dieser ungleichen Beziehung widerspiegelt. Das Ensemble fängt so die zentralen Themen des Films – Kontrolle, Unterwerfung und Emanzipation – eindrucksvoll ein und verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene der Beklemmung. Doch so scharfsinnig die Satire und so eindringlich die gesellschaftliche Kritik auch sind, bleibt „Companion – Die perfekte Begleitung“ nicht ohne Schwächen. Der Film neigt dazu, seine cleveren Ideen mit einer gewissen Redundanz auszuführen. Gerade im letzten Drittel wiederholen sich einige Motive, die bereits früh etabliert wurden. Auch die Dialoge, so bissig und pointiert sie oft sind, greifen stellenweise zu offensichtlich auf die Exposition zurück.

Besonders wenn es um die ethischen und moralischen Implikationen der KI geht, werden manche Themen mehrmals auf den Punkt gebracht, ohne dem Publikum Raum für eigene Interpretationen zu lassen. Dies schmälert zwar nicht die inhaltliche Relevanz des Films, mindert aber stellenweise seine erzählerische Raffinesse. Gleichzeitig bleibt „Companion – Die perfekte Begleitung“ in seinen Horrorelementen relativ zahm. Während die Inszenierung von Suspense und Thriller-Elementen sehr gut gelingt, sind die Momente des Schreckens vergleichsweise vorhersehbar. Zwar nutzt Hancock klassische Genreelemente bewusst, um sie anschließend zu dekonstruieren, doch in der Summe hätte eine stärkere psychologische Bedrohung die Wirkung des Films noch intensivieren können.
Fazit:
„Companion – Die perfekte Begleitung“ ist eine zynische Parabel über Machtstrukturen und die beunruhigende Möglichkeit, dass Technologie diese Mechanismen nicht abschafft, sondern verstärkt. Dabei wechselt der Film geschickt zwischen Thriller, Satire und düsterem Zukunftsentwurf, ohne sich gänzlich auf ein Genre festzulegen. Genau diese Ambivalenz macht das Spielfilmdebüt von Drew Hancock zu einem Werk, das zum Nachdenken anregt und zu einer Geschichte, die nachhallt.
>>> STARTTERMIN: Ab dem 6. Februar 2025 im Kino.
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Weitere Informationen zu „Companion – Die perfekte Begleitung“:
Genre: Fantasy, Horror, Thriller, Komödie
Laufzeit: 97 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16
Regie: Drew Hancock
Drehbuch: Drew Hancock
Besetzung: Sophie Thatcher, Jack Quaid und Lukas Gage und viele mehr ...
Trailer zu „Companion – Die perfekte Begleitung“:





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