Kritik zu „Das Drama - Noch mal auf Anfang“: Eine Antithese zur RomCom
- Toni Schindele

- vor 4 Minuten
- 6 Min. Lesezeit
Was bleibt von einer Beziehung, wenn das Bild vom anderen plötzlich zu bröckeln beginnt? Genau darum geht es in Kristoffer Borglis neuem Film „Das Drama – Noch mal auf Anfang“ mit Robert Pattinson und Zendaya in den Hauptrollen.

Alles an „Das Drama – Noch mal auf Anfang“ scheint wie gemacht für eine wirkungsvolle Marketingkampagne. Da ist zunächst A24, jenes Independent-Studio, das sich mit ungewöhnlichen Produktionen und Überraschungserfolgen wie „Everything Everywhere All at Once“, „Midsommar“ oder „Uncut Gems“ einen festen Platz im aktuellen Kinomarkt erarbeitet hat. Hinzu kommt mit Kristoffer Borgli ein Regisseur, der sich innerhalb weniger Jahre als eigenwillige Stimme etabliert hat. Das größte Zugpferd bleibt jedoch die Besetzung: Mit Zendaya und Robert Pattinson treffen zwei der derzeit prominentesten Gesichter des internationalen Kinos aufeinander. Entsprechend offensiv wurde der Film im Vorfeld vermarktet und der Aussicht auf eine zentrale Wendung, über die im Vorfeld bewusst wenig verraten wird. Doch kann der Film diesem Erwartungsdruck auch standhalten?
Darum geht es:
Ein zufälliges Kennenlernen in einem Bostoner Coffeeshop führt Emma und Charlie in eine scheinbar perfekte Beziehung – zwei Jahre später steht ihre Hochzeit kurz bevor. Doch ausgerechnet in den letzten Tagen vor dem großen Moment gerät ihr gemeinsames Glück ins Wanken, als ein harmlos gemeintes Beichtspiel unter Freunden eine Dynamik entfesselt, die niemand vorhersehen konnte. Emmas Geständnis trifft alle unvorbereitet und stellt nicht nur Charlies Vertrauen, sondern das gesamte Fundament ihrer Beziehung infrage. Ist ihr gemeinsames Glück stark genug, um das, was ans Licht gekommen ist, zu überstehen?
Die Rezension:
Kaum ein Moment im Leben wird so stark mit Erwartungen aufgeladen wie die Zeit kurz vor einer Hochzeit. Alles soll stimmen: das Bild nach außen, das Gefühl im Inneren, die Gewissheit, den richtigen Menschen gefunden zu haben. Gerade darin liegt aber auch ein filmisch reizvoller Konflikt. Denn je größer das Versprechen von Sicherheit, Nähe und Zukunft ist, desto brutaler kann der Moment wirken, in dem dieses sorgfältig gebaute Ideal ins Wanken gerät. „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ setzt genau an diesem vertrauten Versprechen an, doch Borgli nutzt diese vertraute Form nicht, um sie zu erfüllen, sondern um sie gezielt zu unterlaufen. Kristoffer Borgli interessiert weniger, ob zwei Menschen zueinanderfinden, sondern was genau sie im anderen eigentlich sehen. Mehr geht es um die Frage, ob wir in Beziehungen wirklich einen Menschen lieben oder oft eher die Vorstellung, die wir uns von ihm gebaut haben.

„Das Drama - Noch mal auf Anfang“ beginnt entsprechend dort, wo viele romantische Erzählungen enden und verwandelt den vermeintlich sicheren Zielzustand einer Beziehung in eine zunehmend thrillerhafte Frage nach Moral. Sobald die Grundsituation erschüttert ist, interessiert Borgli vor allem, wie sich der Blick auf den anderen verändert und wie aus Vertrautheit Misstrauen werden kann, ohne dass sich die äußere Wirklichkeit zwingend im selben Maß verändert haben muss. Thematisch bleibt Kristoffer Borgli damit seinen bisherigen Filmen treu: Wieder geht es um Menschen, die an ihrem Selbstbild festhalten wollen, obwohl die Realität längst begonnen hat, dieses Bild zu zerlegen und sich gerade dadurch immer tiefer in unangenehme innere und äußere Krisen manövrieren. „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ ist daher weniger Hochzeitsfilm als Versuchsanordnung über zwei Menschen, deren Beziehung plötzlich nicht mehr nur aus Liebe, sondern aus Deutung, Projektion und moralischer Überforderung besteht.
Kristoffer Borgli entwickelt daraus keinen Spannungsbogen im klassischen Sinn, sondern vielmehr ein latent anschwellendes Unbehagen, das uns mit jeder Szene mehr vor Augen führt, wie sehr Charlie den Boden unter den Füßen verliert. Dadurch bleibt der Film aber auch sehr stark an Charlies Blick gebunden, was für sich genommen nicht unplausibel ist, aber auf Dauer etwas einseitig wird. Anstatt die Beziehung als gemeinsames, schmerzhaftes Aushandeln einer neuen Wahrheit zu öffnen, kreist die Handlung zunehmend um Charlies Schock, seine Überforderung und seine Sinnkrise; und je länger Borgli in diesem Zustand des Grübelns verharrt, desto deutlicher wird, dass das Drehbuch abseits seines zentralen Gedankens nur begrenzt weitere narrative Wege entwickelt. Es gibt Zuspitzung, es gibt mehr Druck, es gibt mehr emotionale Reibung, aber nicht im selben Maß eine Vertiefung der Frage, die der Film ursprünglich so reizvoll eröffnet hat. Besonders heikel ist dabei der Umgang mit dem Twist selbst, weil er der Motor des Films und zugleich sein größtes Problem ist.

Ohne zu viel vorwegzunehmen: Borgli interessiert sich weniger für die reine Faktizität einer Enthüllung als für die Wirkung, die sie auf das Bild eines geliebten Menschen hat. Das ist als Grundidee stark, weil dadurch nicht allein ein Ereignis im Zentrum steht, sondern die Frage, was eine Beziehung aushält, wenn sich das moralische Weltbild auf den Prüfstand gestellt wird. Der Film verlangt vom Publikum, über Vergebung, Zumutbarkeit und die Grenzen von Akzeptanz nachzudenken, ohne einfache Leitplanken zu liefern. Jedoch berührt die Geschichte hier ein Thema, das erzählerisch heikel genug ist, um mehr Differenzierung, mehr Konsequenz und vielleicht auch mehr Mut zur Unbequemlichkeit zu verlangen. Doch der Film ist zu leichtfüßig, um das Gewicht des Themas ganz auszuhalten und zugleich zu sehr auf seine Provokation bedacht, um es wirklich nur als beiläufiges Erzählelement stehen zu lassen.
Doch so sehr Kristoffer Borgli in seinem selbst verfassten Drehbuch einmal mehr Konsequenz vermissen lässt, liegt die eigentliche Stärke des Films wieder in seiner Inszenierung und damit genau in dem, was ihn in kurzer Zeit zu einem gefragten Filmemacher gemacht hat. Denn Borgli versteht es, Verunsicherung nicht nur über Dialoge, sondern über seine Bilder zu erzeugen. Besonders in den kurzen, eingestreuten Momenten, die wie Erinnerungen, Fantasien oder subjektive Verzerrungen wirken, zeigt sich ein Regisseur mit starkem Gefühl für Atmosphäre. So hat Borgli auch ein feines Gespür für jene peinlichen wie unangenehmen Momente, in denen Komik und Bedrohung gleichzeitig existieren und sich gegenseitig verstärken, ohne sich aufzuheben. Wenn eine beiläufige Situation plötzlich kippt, zugleich bedrohlich wirkt und doch absurd komisch bleibt, zeigt sich, wie sicher er Genres und Stimmungen gegeneinander verschiebt.
Kristoffer Borgli am Set von „Das Drama - Noch mal auf Anfang“:

Dazu kommt ein sehr gelungenes Zusammenspiel aus Schnitt, Ton und Musik. Immer wieder gibt es die für die Bildsprache dieses Films typischen Jumpcuts, also kleine Bildsprünge innerhalb derselben Szene, bei denen das Geschehen plötzlich weitergeht, als wäre ein Stück Zeit einfach herausgeschnitten worden. Diese immer wieder sehr abrupte Erzählweise erzeugt früh eine Grundunsicherheit, die durch die nervöse musikalische Untermalung von Daniel Pemberton zusätzlich verstärkt wird. Das Herzstück von „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ ist aber fraglos das Duo in den Hauptrollen. Fast wirkt es so, als seien Figuren und Dialoge direkt auf Robert Pattinson und Zendaya zugeschnitten. Tatsächlich hatte Regisseur Kristoffer Borgli beim Schreiben jedoch noch keine konkreten Namen im Kopf. Dass der Film so prominent besetzt ist, liegt auch daran, dass Zendaya auf das Drehbuch aufmerksam wurde und sich aktiv für die Rolle ins Gespräch brachte.
An ihrer Seite steht mit Robert Pattinson ein Spielpartner, mit dem sie aktuell mehrfach vor der Kamera steht – beide werden noch in diesem Jahr auch in „Die Odyssee“ und „Dune 3“ gemeinsam zu sehen sein. Entsprechend eingespielt wirkt ihr Zusammenspiel, dem Borgli auch in der zweiwöchigen Probenphase große Aufmerksamkeit schenkte, indem er gemeinsam mit beiden Darstellern Figuren und Motive weiter schärfte und das Drehbuch im Austausch mit ihnen auch noch leicht überarbeitete. Und je weiter der Film in seiner 106 Minuten langen Laufzeit voranschreitet, je mehr spielen die beiden das moralische Dilemma aus – ein Zusammenspiel, mit dem man einfach seine Freude haben wird. Durch den Fokus bedingt, aber auch, da er in seiner Rolle voll aufgeht, ist Robert Pattinson dabei klar das emotionale Zentrum des Films. Er spielt Charlie nicht als spektakulären Exzentriker, sondern zunächst als eher geordneten, etwas unbeholfenen, im Kern aber sympathischen Mann, dem man die romantische Ernsthaftigkeit dieses Beziehungsmodells sofort abnimmt. Gerade deshalb ist sein späteres Abrutschen umso wirkungsvoller.

Pattinson steigert kleine Irritationen zu wachsender Unruhe, daraus wird Überforderung, dann Panik, dann fast eine Form von Selbstzerlegung, und all das passiert in nachvollziehbaren Schritten. Dabei zeigt Pattinson einen Menschen, der verzweifelt versucht, rational zu bleiben, während ihm emotional längst alles entgleitet. Diese Mischung aus Charme, Nervosität, peinlicher Unbeholfenheit und verletztem Kontrollbedürfnis gibt dem Film Struktur und hält ihn auch dann zusammen, wenn das Drehbuch nicht mehr ganz dieselbe Präzision besitzt. Zendaya setzt dabei einen bewussten Kontrast zu Pattinsons immer stärker eskalierendem Spiel. Ihre Emma bleibt lange schwer greifbar, weil Zendaya viel über Zurückhaltung arbeitet: Sie sagt oft weniger, als in der Situation eigentlich mitschwingt, und genau daraus entsteht eine Spannung, die die Figur interessant macht.
Fazit:
„Das Drama - Noch mal auf Anfang“ entwirft ein unterhaltsames Gedankenspiel über Wahrnehmung, Projektion und moralische Grenzverschiebungen innerhalb einer Beziehung, das mehr anstößt, als es tatsächlich ausführt. Weniger bissig und oberflächlicher als in seinen bisherigen Arbeiten lebt Kristoffer Borglis neuer, zwischen Thriller und Antithese zur RomCom angelegter Film vor allem vom intensiven wie mitreißenden Zusammenspiel von Robert Pattinson und Zendaya in den Hauptrollen.
>>> STARTTERMIN: Ab dem 2. April 2026 im Kino.
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Weitere Informationen zu „Das Drama - Noch mal auf Anfang“:
Genre: Thriller, Romanze, Drama, Komödie
Laufzeit: 106 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Kristoffer Borgli
Drehbuch: Kristoffer Borgli
Besetzung: Robert Pattinson, Zendaya, Alana Haim und viele mehr ...
Trailer zu „Das Drama - Noch mal auf Anfang“:





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