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Kritik zu „Horst Schlämmer sucht das Glück“: Hape Kerkelings Kultfigur ist zurück

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 26. März
  • 4 Min. Lesezeit

Mit „Horst Schlämmer sucht das Glück“ holt Hape Kerkeling eine seiner bekanntesten Figuren zurück ins Kino und macht es sich zur Mission, den Menschen in Deutschland wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.


Szene aus „Horst Schlämmer sucht das Glück“: Horst Schlämmer steht mit ausgebreiteten Armen auf einem Deich an der Nordsee.
Bildnachweis: © Leonine Studios / Sandra Hoever

Mit Figuren wie Horst Schlämmer hat Hape Kerkeling die deutsche Comedy Mitte der 2000er-Jahre geprägt. Doch auch wenn „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ im Jahr 2009 über 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, folgte seither kein weiterer Auftritt auf der großen Leinwand – zumindest bis jetzt. Denn fast zwei Jahrzehnte später kehrt die Figur nun mit „Horst Schlämmer sucht das Glück“ wieder ins Kino zurück. Doch kann eine Figur in einer Medienlandschaft, die sich rasant verändert hat, heute noch dieselbe Wirkung entfalten?


Darum geht es:


Horst Schlämmer hat genug vom Dauermeckern und den miesen Zeiten: Denn Deutschland scheint komplett die Freude verloren zu haben. So darf es aber nicht bleiben, findet Horst Schlämmer, der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts. Also macht er sich kurzerhand auf eine Reise quer durchs Land, um herauszufinden, wie man den Menschen ihr Lächeln zurückbringt und trifft dabei auf die unterschiedlichsten Menschen. Doch kann ausgerechnet Horst Schlämmer das Geheimnis des Glücks knacken?


Die Rezension:


Es gibt Figuren, die eine Zeit lang wie ein Spiegel ihrer Gesellschaft funktionieren – überzeichnet, unangenehm, aber gerade deshalb entlarvend. Und es gibt Momente, in denen diese Figuren zurückkehren und plötzlich selbst zu einem Spiegel werden: nicht mehr für die Gesellschaft, sondern für ihre eigene Vergangenheit. Dann stellt sich eine andere Frage als früher. Nicht mehr: Was sagt diese Figur über uns? Sondern: Was sagt ihre Rückkehr darüber aus, wie wir mit Nostalgie, mit Erinnerung und vielleicht auch mit kreativer Erschöpfung umgehen? Mit „Horst Schlämmer sucht das Glück“ kehrt eine solche Figur zurück. Hape Kerkeling schickt seinen einst subversiven Provinzreporter auf eine Reise durch Deutschland, lose verbunden durch die Idee, herauszufinden, warum das Land nach den Krisenjahren an Lebensfreude verloren habe.


Szene aus „Horst Schlämmer sucht das Glück“: Horst Schlämmer zeigt Daumen hoch vor einem Krabbenkutter im Hafen.
Bildnachweis: © Leonine Studios / Sandra Hoever

Doch schon dieser Ausgangspunkt bleibt Behauptung: Der Film interessiert sich kaum für reale Zustände oder differenzierte Beobachtungen. Stattdessen dient die titelgebende Glückssuche vor allem als dramaturgischer Vorwand, um Begegnungen aneinanderzureihen – Gespräche, Sketche, Situationen, die selten mehr sind als lose Momentaufnahmen. Dabei ist das Problem weniger, dass der Film keine tiefgreifende Gesellschaftsanalyse liefert – das schuldet eine Komödie nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass er sich jeder Haltung entzieht. Wo frühere Schlämmer-Auftritte durch gezielte Grenzüberschreitungen und unangenehme Wahrheiten funktionierten, bleibt hier alles auffallend weichgespült. Begegnungen mit realen Persönlichkeiten wie Markus Söder oder Rainer Maria Kardinal Woelki wirken dabei besonders befremdlich.


Statt satirischer Zuspitzung entstehen Momente, die eher wie unkritische Auftritte erscheinen. Gerade weil beide in der Realität durchaus kontrovers aufgenommen werden, entsteht durch ihre Darstellung im Film eine indirekte Wertung – nicht durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was ausgespart bleibt. Kerkeling hat sich immer wieder als jemand positioniert, der gesellschaftliche Entwicklungen kommentiert und Haltung zeigt. Umso bemerkenswerter ist es, dass genau diese Perspektive im Film kaum durchscheint. Die Figur Horst Schlämmer, einst als überzeichnete Karikatur deutscher Selbstzufriedenheit gedacht, verliert dadurch ihren Biss. Und auch wenn die Macher des Films zu wissen schienen, dass ihr Protagonist heute anders gelesen wird als früher, daraus werden jedoch keine wirklichen Konsequenzen gezogen.


Die halbherzigen Einordnungen der Horst Schlämmer begleitenden Kamerafrau wirken daher eher wie eine Pflichtübung, fast wie ein Alibi. Als Mockumentary angelegt, behauptet der Film eine Nähe zur Realität, die er nie einlöst. Die scheinbar spontanen Begegnungen sind erkennbar konstruiert, die Kameraästhetik imitiert Authentizität, ohne sie zu erreichen. Aber auch die Metaebene – Figuren sprechen über den Film, der gerade entsteht – ist wenig clever. „Horst Schlämmer sucht das Glück“ begnügt sich mit Harmlosigkeit und mit einem Humor, der niemandem widerspricht, niemandem wehtut und vor allem auf Bekanntes setzt. Witze entstehen hier größtenteils durch weitverbreitete Alltagsärgernisse, kleine Absurditäten und immer wieder auch Wortspiele.


Szene aus „Horst Schlämmer sucht das Glück“: Horst Schlämmer macht ein Selfie mit zwei Männern in einer Kneipe.
Bildnachweis: © Leonine Studios / Sandra Hoever

Für Fans von Horst Schlämmer mag das einen gewissen Wiedererkennungswert haben, doch darüber hinaus entwickelt sich kaum etwas Neues. Passend dazu dominieren in den Dialogen auch Kalendersprüche und Küchenpsychologie, die sich schnell erschöpfen und selten mehr bieten als ein mildes Schmunzeln. Interessant wird es immer dann, wenn sich der Film kurz von seiner eigenen Struktur löst. Die eingestreuten Fake-Formate, in denen Hape Kerkeling verschiedene Rollen übernimmt und absurde Mini-Szenarien durchspielt, zeigen, welche Wandlungsfähigkeit und welches komödiantische Timing Kerkeling doch besitzt. Diese Passagen wirken oft lebendiger als der eigentliche Film – gerade weil sie stärker überzeichnet sind und sich nicht um Realitätsnähe bemühen. Doch sie bleiben isolierte Inseln. Eine echte dramaturgische Entwicklung, ein Spannungsbogen, der diese Ideen zusammenführt, entsteht nicht.


Fazit:


Nach Bernd Stromberg ist nun also auch Horst Schlämmer nach langer Abstinenz zurück auf der großen Leinwand. Wer früher über den stellvertretenden Chefredakteur einer kleinen Lokalgazette lachen konnte, wird sich auch heute noch amüsieren – ein neues Publikum dürfte „Horst Schlämmer sucht das Glück“ jedoch kaum gewinnen. Dafür bleibt der zweite Kinofilm ein zu ambitionsloser Versuch, die einst gefeierte Kunstfigur in die Gegenwart zu übertragen. Statt sie weiterzuentwickeln oder neu zu denken, reproduziert der Film lediglich bekannte Versatzstücke und bleibt dabei stehen.


>>> STARTTERMIN: Ab dem 26. März 2026 im Kino.


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Weitere Informationen zu „Horst Schlämmer sucht das Glück“:

Genre: Komödie

Laufzeit: 93 Minuten

Altersfreigabe: FSK 6


Regie: Sven Unterwaldt

Drehbuch: Claudius Pläging

Besetzung: Hape Kerkeling, Tahnee Schaffarczyk, Meltem Kaptan und viele mehr ...


Trailer zu „Horst Schlämmer sucht das Glück“:


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