Kritik zu „Das Kanu des Manitu“: Wie steht’s um die Gesamtsituation?
- Toni Schindele

- 14. Aug. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Als Anfang der 2000er-Jahre die Westernparodie „Der Schuh des Manitu“ unerwartet zu einem gigantischen Kino-Hit wurde, schrieb sie ein Stück deutsche Filmgeschichte. Nun kehren ihre bekannten Figuren noch einmal auf die große Leinwand zurück.

Als im Sommer 2001 „Der Schuh des Manitu“ in die deutschen Kinos kam, entwickelte sich die Westernparodie binnen weniger Wochen zu einem Kinoereignis, das weit über den üblichen Erfolg einer Komödie hinausging. Michael „Bully“ Herbig, zuvor vor allem durch die „Bullyparade“ bekannt, übertrug seine Fernsehfiguren auf die große Leinwand und griff dabei klassische Westernmotive in satirischer Form auf. Mit mehr als 11,7 Millionen Besuchern wurde der Film zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm seit Beginn der offiziellen Besucherstatistik und zu einem festen Bezugspunkt der heimischen Popkultur. Auch Jahre später blieb „Der Schuh des Manitu“ ein Orientierungspunkt für den deutschen Mainstream-Humor, während Herbig unterschiedliche filmische Wege einschlug.
Für die allermeisten überraschend kündigte Michael „Bully“ Herbig schließlich im Juli 2024 eine Fortsetzung des Kultfilms an. Gegenüber Filmstarts erklärte der Regisseur, die Idee habe ihn bereits rund zehn Jahre zuvor erstmals beschäftigt; schon um 2013/14 habe er einzelne Notizen gesammelt und darüber nachgedacht, welche neuen Möglichkeiten sich an den Titel des ersten Films anlehnen ließen. Konkretisiert habe sich das Projekt jedoch erst deutlich später bei einem Treffen mit seinen langjährigen „Bullyparade“-Kollegen Christian Tramitz und Rick Kavanian. Dabei habe zunächst eine andere Filmidee im Mittelpunkt gestanden, bevor in einem Nebensatz die Frage aufkam, ob es nicht bedauerlich sei, dass nie eine direkte Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ realisiert wurde. Diese Bemerkung habe schließlich den Auslöser gegeben, das Konzept ernsthaft weiterzuverfolgen. Aus diesen Gesprächen entwickelte sich das Projekt, das nun unter dem Titel „Das Kanu des Manitu“ in die Kinos kommt.
Darum geht es:
Einige Jahre nach ihrem letzten Abenteuer geraten Abahachi und Ranger erneut mitten ins Chaos. Als ein Zug überfallen wird, deutet alles auf die beiden gutmütigen Chaoten hin – obwohl sie natürlich völlig unschuldig sind. Nichtsahnend landen sie im Gefängnis und sollen schon bald am Galgen baumeln. Während die echte Verbrecherbande ohne Namen derweil der Legende um ein sagenumwobenes Kanu hinterherjagt, rückt auch der griechische Dimitri an, der zwischen Restaurantträumen, Freundschaft und Gefühlschaos versucht, die Lage zu retten. Die beiden Blutsbrüder entkommen der Exekution – doch das ist erst der Anfang eines neuen Abenteuers.
Die Rezension:
Michael „Bully“ Herbig verfolgt in seiner späten Fortsetzung des erfolgreichsten Films aus seiner Vita erkennbar das Ziel, die vertrauten Figuren erneut in eine Mischung aus Parodie, Slapstick und komödiantischer Überzeichnung zu führen, gleichzeitig aber die Entwicklungen gesellschaftlicher Debatten nicht gänzlich zu ignorieren. Dabei entsteht ein Film, der sowohl nostalgische Erwartungen bedient als auch ein spürbar größeres Bewusstsein für mögliche Wirkungen seiner Gags hat, ohne sich demonstrativ in politische Positionierungen zu flüchten –nur ein Lieferservice-Gag tanzt anachronistisch etwas aus der Reihe. Ansonsten sucht „Das Kanu des Manitu“ dabei stets nach einer Balance zwischen Komik und Rücksichtnahme, was zu punktuellen Kommentaren über Bezeichnungen, Geschlechterrollen oder Machtasymmetrien führt. Nicht jede dieser Pointen ist gleich organisch in den Erzählfluss eingebunden; manches wirkt eher wie ein bewusster Kommentar zur Gegenwart, der kurzzeitig die Parodieebene verlässt.

„Das Kanu des Manitu“ tastet nach einer Balance zwischen unbeschwertem Klamauk und zeitgemäßer Sensibilität, was an manchen Stellen etwas betont bewusst, an anderen jedoch erstaunlich beiläufig erscheint. Dass „Das Kanu des Manitu“ die Darstellung indigener Figuren explizit reflektiert und die eigene Persiflagehaltung einordnet, verleiht dem Film eine gewisse Metaebene, die den Humor nicht aufhebt, ihn aber stärker kontextualisiert. In erster Linie will der Film aber weder neu definieren noch wirklich hinterfragen, sondern ein vertrautes Gefühl reaktivieren: ein gemeinsames Lachen über ein bekanntes Figurenensemble in einer bewusst fiktiven und überzeichneten Westernwelt. Zentrales Fundament bleibt die Dynamik des Bullyparade-Trios. Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian tragen den Film mit routinierter Vertrautheit und schultern große Teile des Humors über Timing, Körpersprache und die eingespielte Chemie ihrer Figuren. Ihre Dialoge greifen ineinander wie ein eingespieltes Bühnenprogramm, das weniger auf spontane Überraschung als auf Vertrautheit setzt.
Die neuen Namen im Ensemble um Jasmin Schwiers, Friedrich Mücke und Jessica Schwarz fügen sich dabei überwiegend reibungslos in Herbigs Western-Persiflage ein und erweitern das Figurenensemble, ohne die Hierarchie der zentralen Protagonisten maßgeblich zu verschieben. Zugleich gönnt der Film Sky du Mont als Santa Maria einen würdevollen Abschiedsmoment, der noch einmal unterstreicht, welchen Kultstatus sein elegant gnadenloser Antagonist über die Jahre erlangt hat. Inhaltlich folgt „Das Kanu des Manitu“ einer klaren, überschaubaren Westernabenteuer-Dramaturgie, die als Rahmen dient, um die bekannten Charaktere in immer neuen Verwicklungen zu platzieren. Dramaturgisch bleibt Herbig nahe an der Sketch-Natur seiner früheren Arbeiten: Szenen reihen sich episodenhaft aneinander. Diese Fragmentierung erzeugt Tempo, aber selten narrative Spannung im klassischen Sinne.

Während die Figurenchemie funktioniert, fehlt es der Geschichte an Überraschungsmomenten, die über Nostalgieeffekte und Slapstickmomente hinausgehen. Die Dialoge sind zügig gebaut, die Wortduelle funktionieren handwerklich sicher, zugleich fehlt ihnen aber jene Überraschungsqualität, die den Vorgänger seinerzeit so prägend machte. Dass die Innovationskraft zwangsläufig geringer ausfällt als vor 24 Jahren, ist kaum zu vermeiden; dennoch bleibt das Gefühl, dass dem Film an manchen Stellen ein stärkerer erzählerischer Impuls gutgetan hätte. Humoristisch zeigt der Film dabei eine deutliche Tendenz zu Quantität: Die Gagdichte ist hoch, die Schlagzahl der Pointen kontinuierlich. Dabei bleibt das komische Register weitestgehend zeitlos – Körperkomik, Wortspiele, Übertreibungen. Es entsteht der Eindruck eines bewusst altmodischen Komikverständnisses, das sich seiner Einfachheit nicht schämt.
Dass nicht jede Pointe voll zündet, ist einkalkuliert, denn auch wenn nicht jeder Gag zündet, hat man bei dem komischen Dauerbeschuss doch stets ein Lächeln auf den Lippen – und irgendwann ist auch für jeden einmal ein Gag dabei, der den persönlichen Humorgeschmack trifft. „Das Kanu des Manitu“ liefert jenen Humor, jene Figuren und jene Tonlage, die das Publikum mit dem Vorgänger verbindet. Wer also den Tonfall und die Figuren des Vorgängers mochte, findet hier eine spürbar liebevoll gemeinte Rückkehr, die sich vor allem an ihr Stammpublikum richtet. Zudem unterstützt die relativ knappe Laufzeit diesen Ansatz und verhindert, dass sich Längen einstellen. Auch sonst bietet die Inszenierung viel, um auf der großen Leinwand gut zu unterhalten – was auch daran liegt, dass Michael „Bully“ Herbig für seine Fortsetzung etwa das vierfache Budget zur Verfügung gehabt haben soll. So fanden die Dreharbeiten neben vielen Außenaufnahmen in Spanien auch für eine Schlüsselszene in den USA mit echten Angehörigen indigener Stämme statt, was für den Regisseur ein persönlicher Wunsch war.

Aber man merkt auch sonst an allen Ecken und Kanten, dass hier für eine deutsche Produktion viel investiert wurde, um die Western-Ikonografie einerseits zum Leben zu erwecken und andererseits augenzwinkernd zu unterlaufen. Die Kameraarbeit von Armin Golisano lehnt sich deutlich an die klassische Westernästhetik an, während Ralf Wengenmayrs mal großer und epischer, mal verspielter Soundtrack den Film passend musikalisch untermalt und Erinnerungen an das klassische Abenteuerkino à la „Indiana Jones“ weckt. Etwas unpassend wirkt jedoch Stefan Raabs Song „Weil wir so supergeil drauf sind“, der weder wirklich gut zu den Figuren noch zur Szenerie passen will und im Gegensatz zum kultigen „Superperforator“ aus dem Vorgängerfilm nicht recht rund in die Handlung eingebunden ist.
Fazit:
Michael „Bully“ Herbigs „Das Kanu des Manitu“ ist eine nostalgische Rückkehr mit vertrautem Humor, spielfreudigem Ensemble und sichtbar größerer Produktion, die auf Wiedererkennung statt neuer Akzente oder Überraschungen setzt. Zwar wird bei den Gags eher auf Quantität als auf Qualität gesetzt, doch zum Lachen findet sich dennoch für alle etwas. Am Ende lässt sich daher festhalten, dass man mit der Gesamtsituation durchaus zufrieden sein darf.
>>> STARTTERMIN: Ab dem 14. August 2025 im Kino.
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Weitere Informationen zu „Das Kanu des Manitu“:
Genre: Komödie, Abenteuer, Western
Laufzeit: 88 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Regie: Michael Bully Herbig
Drehbuch: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian
Besetzung: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian und viele mehr ...
Trailer zu „Das Kanu des Manitu“:





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