Kritik zu „Final Destination: Bloodlines“: Der Tod bleibt Perfektionist
- Toni Schindele

- 15. Mai 2025
- 4 Min. Lesezeit
Der Tod hat nie Pause gemacht – doch das Franchise, das ihn am perfidesten inszenierte, schon. Nun startet mit „Final Destination: Bloodlines“ ein neuer Teil der Reihe, der alte Muster aufgreifen und zugleich neue Wege gehen will. Doch was erwartet das Publikum wirklich – nach über einem Jahrzehnt Stille?

Kaum eine Rückkehr eines Film-Franchise wurde in den vergangenen Jahren mit vergleichbarer Aufmerksamkeit begleitet wie die von „Final Destination“. Als der erste Trailer zum sechsten Ableger im März veröffentlicht wurde, explodierten die Aufrufzahlen förmlich: Innerhalb von 24 Stunden verzeichnete der Clip weltweit knapp 180 Millionen Views – ein Wert, der im Horror-Genre nur von „Es: Kapitel 1“ übertroffen wurde. Die Zahlen sprechen für sich: Das Interesse an der Rückkehr des Todes in Form sadistischer Kettenreaktionen war riesig – auch deshalb, weil zwischen dem fünften und nunmehr sechsten Teil ganze 14 Jahre vergangen waren.
Eine ungewöhnlich lange Pause für eine Reihe, die sich eigentlich fest im popkulturellen Gedächtnis verankert hat. Seit dem Kinostart des ersten Teils im Jahr 2000, der mit einem Budget von rund 23 Millionen Dollar weltweit über 112 Millionen Dollar einspielte, folgten vier Fortsetzungen – jede mit neuen Figuren, neuen Katastrophenszenarien und dem stets gleichen Prinzip: Der Tod lässt sich nicht austricksen. Doch kann die Prämisse des unausweichlichen Todes auch 2025 noch überzeugen, wie funktioniert das Spiel mit Vorsehung, Kausalität und sadistisch-cleveren Todesfallen im Jahr 2025 noch als Kinoerlebnis? Eine Analyse.
Darum geht es:
Stefanie hat ein Problem – sie stirbt Nacht für Nacht, zumindest im Traum. Denn Nacht für Nacht wird die College-Studentin von blutigen Albträumen heimgesucht. Als sie erkennt, dass die Träume auf eine Gabe ihrer Großmutter zurückgehen, die einst den Tod kommen sah, wird sie in eine makabre Dynamik hineingezogen, die ihr und ihrer gesamten Familie das Leben kosten könnte. Um das zu verhindern, kehrt sie zurück in die Heimat – dorthin, wo alles begann. Doch kann sie den unheimlichen Kreislauf durchbrechen – oder ist sie längst Teil eines Fluchs, der sich nicht aufhalten lässt?
Die Rezension:
„Final Destination: Bloodlines“ versteht das Prinzip seines Franchise wie ein Handwerker sein Werkzeug: Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern die Schrauben präzise so zu drehen, dass das Konstrukt funktioniert. Besonders angenehm fällt auf, dass sich der Film nicht allzu sehr als Legacy-Sequel inszeniert. Die Anbindung an frühere Teile geschieht beiläufig, ohne nostalgischen Ballast oder überdeutliche Rückblenden. Stattdessen steht der Film souverän für sich, verweist nur punktuell auf seine Vorgänger – etwa in der herrlich bösen Schlusswendung. Wer mit dem morbiden Determinismus des Franchise bislang wenig anfangen konnte, wird auch hier kaum bekehrt. Für Kenner bietet dieser sechste Teil jedoch alles, was die Reihe ausmacht und bleibt dabei ihrem Kern treu: einer erbarmungslosen Verkettung von Ursache und Wirkung, in der der Tod wie ein pedantischer Architekt mit unfehlbarem Bauplan agiert.

Gleichzeitig verpasst „Final Destination: Bloodlines“ der Prämisse eine bemerkenswerte Wendung. Die Visionen von Protagonistin Stefani sind diesmal kein warnender Blick in die Zukunft, sondern ein wiederkehrender Traum, der ein lange zurückliegendes Unglück umkreist. Statt in der Gegenwart zu beginnen, führt der Film in die frühen Sechzigerjahre an einen Skyview Tower – und schon der Prolog zeigt, dass das Franchise seine Lust am morbiden Spektakel nicht verloren hat. Zwar ist das traditionelle Auftaktunglück des zweiten Films kaum zu übertreffen, doch der Retro-Albtraum liefert einen grandiosen Auftakt, der durch seine sarkastische Unterlegung mit dem Popsong „Raindrops Keep Fallin’ On My Head“ besonders im Gedächtnis bleibt. Auch wenn die Handlung bald wieder in die Gegenwart springt, ist dieser Prolog doch ein besonderer erzählerischer Kniff: Die Gefahr lauert nicht mehr nur im Jetzt, sondern ist vererbt – in den titelgebenden Blutlinien.
Damit erweitert der Film das Regelwerk der Reihe, ohne es zu brechen. Der eigentliche Nervenkitzel bleibt in der Erwartung des Unvermeidlichen. Alles kann Auslöser sein, jedes Detail Teil der nächsten tödlichen Kettenreaktion. Nicht das Ob, sondern das Wie und Wann wird einmal mehr zum dramaturgischen Hebel. Dabei eskaliert nicht jede Szene sofort in ein Gore-Spektakel: Viele Momente führen bewusst in die Irre und entpuppen sich als Sackgassen. Das Drehbuch von Guy Busick, Lori Evans Taylor und Jon Watts spielt gekonnt mit dieser Erwartungshaltung, bietet multiple Möglichkeiten von Sterbeszenarien und steigert so das Mitfiebern. Mehr denn je nutzt „Final Destination: Bloodlines“ das bekannte Prinzip, um immer neue, perfide Varianten zu finden, wie das Schicksal zuschlagen kann – bis es schließlich tatsächlich den roten Knopf drückt.
Nach physikalischer Logik oder Realismus zu suchen, wäre hier zwecklos – die Reihe hat sich noch nie solchen Grenzen verpflichtet gefühlt, und gerade darin liegt auch ihr Reiz. Die Todesszenen sind kunstvoll überdreht, grausam und zugleich zum Schreien komisch – bissig, überraschend und stets mit einem Augenzwinkern inszeniert. Es ist weniger Horror als sardonischer Slapstick: fies, präzise und bis ins Detail choreografiert, wie ein makabrer Tanz aus Ursache und Wirkung. Der Film feiert seine Fallstricke des Schicksals mit einer solchen Lust an der Übertreibung, dass sich das Publikum zwischen Schaudern und Lachen kaum entscheiden kann. Doch trotz aller grotesken Komik gelingt es „Final Destination: Bloodlines“, seine Figuren ernst zu nehmen, statt sie bloß als Kanonenfutter zu inszenieren.

Anders als in früheren Teilen entwickelt der Film Charaktere, deren Schicksal berührt – man bangt mit ihnen, und ihr Tod hinterlässt Wirkung. Zwar bleiben manche Dialoge holzschnittartig, doch das Ensemble um Kaitlyn Santa Juana, Richard Harmon und Rya Kihlstedt überzeugt mit sichtbarer Spielfreude. Besonders eindrucksvoll ist dabei der letzte Leinwandauftritt der im November 2024 verstorbenen Horror-Ikone Tony Todd. Der einstige Prophet des Todes verabschiedet sich sichtbar gezeichnet von Krankheit – ausgerechnet in der Rolle eines Gerichtsmediziners, nicht eines Todesboten. Diese ironische, fast versöhnliche Wendung macht seinen Auftritt zu einem stillen Höhepunkt. Inhaltlich bleibt die Figur eine Randnotiz, doch Todds Präsenz verleiht der Szene eine melancholische Tiefe, die lange nachklingt.
Fazit:
„Final Destination: Bloodlines“ bleibt dem fatalistischen Kern der Reihe treu und erweitert ihn um eine clevere Generationenebene. Bitterböse und makaber-komisch feiert der Film den Tod als pedantischen Architekten des Schicksals. Viel besser hätte sich das Franchise nach über einem Jahrzehnt Auszeit nicht zurückmelden können!
>>> STARTTERMIN: Ab dem 15. Mai 2025 im Kino.
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Weitere Informationen zu „Final Destination: Bloodlines“:
Genre: Horror, Komödie, Thriller
Laufzeit: 110 Minuten
Altersfreigabe: FSK 18
Regie: Zach Lipovsky und Adam B. Stein
Drehbuch: Guy Busick, Lori Evans Taylor und Jon Watts
Besetzung: Kaitlyn Santa Juana, Richard Harmon, Rya Kihlstedt und viele mehr ...
Trailer zu „Final Destination: Bloodlines“:





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