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Kritik zu „Flight Risk“: Der neue Film von Mel Gibson

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 19. Feb. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Ein Mann im Cockpit, der nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Ein Flug über die eisigen Weiten Alaskas, der zum tödlichen Katz-und-Maus-Spiel wird. Und ein Regisseur, dessen Name seit Jahren für Kontroversen sorgt. Mit „Flight Risk“ kehrt Mel Gibson auf den Regiestuhl zurück – doch liefert er auch einen Thriller, der wirklich abhebt?


Kritik zu „Flight Risk“: Der neue Film von Mel Gibson
Bildnachweis: © TOBIS Film GmbH.

Kann man das Werk vom Künstler trennen? Eine alte Debatte, die im Fall von Mel Gibson kaum zu umgehen ist. Über Jahre galt er als Persona non grata, doch seine antisemitischen, rassistischen und homophoben Äußerungen machten ihn zum Paria der Filmindustrie. Doch Hollywoods Gedächtnis ist kurz – und wirtschaftliche Interessen wiegen oft schwerer als moralische Bedenken. Nach seiner weitgehenden Rehabilitierung durch das Kriegsdrama „Hacksaw Ridge“ aus dem Jahr 2016 sorgt Gibson derzeit wieder weniger mit Filmen als mit politischen Entgleisungen für Schlagzeilen. Dennoch bekam er mit „Flight Risk“ erneut die Gelegenheit, einen namhaft besetzten Thriller zu inszenieren – basierend auf einem Drehbuch, das einst auf der angesehenen Black List Hollywoods stand.


Darum geht es:


Über den eisigen Weiten Alaskas gerät ein Routineflug zum Albtraum: Air Marshal Harris eskortiert den Kronzeugen Winston nach New York, wo er gegen die Mafia aussagen soll. Doch der Mann am Steuer ist nicht der, der er vorgibt zu sein – sondern ein eiskalter Auftragskiller. Als die Tarnung auffliegt, eskaliert die Situation in einer tödlichen Spirale aus Täuschung, Gewalt und verzweifeltem Überlebenskampf auf engstem Raum. Während das Flugzeug über den Wolken ins Schlingern gerät, drängt sich eine Frage auf: Wer wird hier lebend landen – wenn überhaupt?


Die Rezension:


Als Regisseur, der sich über Jahrzehnte mit ambitionierten Projekten einen Namen gemacht hat, bewegt sich Mel Gibson hier in einem deutlich kleineren Maßstab. Während Werke wie „Braveheart“ oder „Apocalypto“ durch epische Erzählbögen und ausladende Bildgewalt auffielen, verlässt sich „Flight Risk“ fast ausschließlich auf seine klaustrophobische Atmosphäre und die Dynamik zwischen seinen Hauptfiguren. Das Setting – ein eng begrenzter Raum an Bord eines kleinen Flugzeugs – bietet dabei auch einen spannenden Rahmen für einen dichten Thriller, doch die Umsetzung bleibt über weite Strecken hinter ihren Möglichkeiten zurück. Was nach einer simplen, aber effektiven Prämisse klingt, entwickelt sich in der Praxis jedoch nur bedingt zu einem nervenaufreibenden Thriller.


Kritik zu „Flight Risk“: Der neue Film von Mel Gibson
Bildnachweis: © TOBIS Film GmbH.

Statt einer ausgefeilten Charakterdynamik oder unerwarteten Wendungen dominieren weitgehend vorhersehbare Entwicklungen und standardisierte Genre-Elemente. Ein zentraler Schwachpunkt des Films ist seine mangelnde erzählerische Ambition. Während vergleichbare Kammerspiele durch cleveres Pacing und interessante Charakterbeziehungen bestechen, fehlt „Flight Risk“ genau dieser erzählerische Feinschliff. Das Drehbuch geht zu selten Risiken ein und beschränkt sich darauf, die etablierten Konventionen des Genres zu reproduzieren. Auch inszenatorisch bleibt „Flight Risk“ überraschend konventionell.


Zwar profitiert der Film von der modernen LED-Volume-Technik, die ein realitätsnahes Gefühl für Luftfahrt vermittelt, doch abseits der technischen Umsetzung fehlt es an kreativen inszenatorischen Ideen. Die Kameraarbeit bleibt funktional, aber wenig dynamisch und auch der Schnitt trägt wenig dazu bei, echte Spannung oder Unbehagen zu erzeugen. Gerade in einem Thriller mit stark begrenztem Raum ist es essenziell, visuell Spannung zu erzeugen – sei es durch geschickte Perspektivwechsel, enge Close-ups oder eine raffinierte Lichtsetzung.

 


Kritik zu „Flight Risk“: Der neue Film von Mel Gibson
Bildnachweis: © TOBIS Film GmbH.

Mark Wahlberg, der sich in den letzten Jahren verstärkt auf das Actiongenre konzentriert hat, wirkt in der Rolle des undurchsichtigen Piloten oft überzeichnet und kann der Figur kaum Profil verleihen. Sein Spiel pendelt zwischen einschmeichelnder Manipulation und plumper Bedrohlichkeit, ohne dass er jemals die Balance findet. „Downton Abbey“-Star Michelle Dockery bringt zwar die nötige Ernsthaftigkeit in ihre Rolle als Gesetzeshüterin, bleibt aber letztlich zu eindimensional gezeichnet. Ihre Figur ist in erster Linie die harte Frau im Männerberuf, ohne dass der Film ihr wirklich interessante Facetten zugesteht. Topher Grace als Kronzeuge Winston bietet die sympathischste Performance, doch auch seine Figur bleibt über weite Strecken vorhersehbar.


Einer der größten Kritikpunkte von „Flight Risk“ ist aber sein mangelndes Gespür für Spannungskurve und Eskalation. Ein guter Thriller lebt davon, dass sich die Situation für die Protagonisten zunehmend zuspitzt, dass neue Informationen enthüllt werden und dass sich das Blatt immer wieder wendet. Hier ist jedoch von Beginn an klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Besonders enttäuschend ist das Finale, das nicht nur zu abrupt, sondern auch zu formelhaft wirkt. Der Film steuert zwar merklich auf ein explosives Finale zu, bereitet dieses jedoch weder mit der nötigen erzählerischen Raffinesse vor, noch wird es mit dem erwarteten Knalleffekt inszeniert, sodass dieses außerhalb des Flugzeugs angesiedelte Ende letztlich mehr irritiert als mitreißt.


Kritik zu „Flight Risk“: Der neue Film von Mel Gibson
Bildnachweis: © TOBIS Film GmbH.

Denn gerade an diesem Punkt scheint plötzlich eine Ambition aufzuflammen, die der uninspirierten Handlung in der vorhergehenden Laufzeit gutgetan hätte. Zwar bietet „Flight Risk“ dennoch einen grundsoliden Thriller für zwischendurch, auf der anderen Seite verpasst er es, sich von der Masse abzuheben. Die routinierte Inszenierung, die vorhersehbare Handlung und die wenig nuancierten Figuren verhindern, dass der Film nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Es ist ein Film, der sich nicht traut, seine eigene Identität zu finden und sich stattdessen auf bekannte Muster verlässt. Ob das genügt, hängt letztlich von den Erwartungen ab.


Fazit:


Die Handlung ist vorhersehbar, die Charaktere flach und die Spannung wird kaum aufgebaut. Trotz solider Technik fehlt es an kreativer Inszenierung und erzählerischer Raffinesse, um den Film wirklich fesselnd zu machen. „Flight Risk“ ist ein solider Thriller, der jedoch nicht aus der Masse heraussticht.


>>> STARTTERMIN: Ab dem 20. Februar 2025 im Kino.


Wie hat Dir der Film gefallen? Teile Deine Meinung gerne in den Kommentaren!

Weitere Informationen zu „Flight Risk“:

Genre: Thriller, Action

Laufzeit: 92 Minuten

Altersfreigabe: FSK 12


Regie: Mel Gibson

Drehbuch: Jared Rosenberg

Besetzung: Topher Grace, Michelle Dockery, Mark Wahlberg und viele mehr ...


Trailer zu „Flight Risk“:


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