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Kritik zu „M3GAN 2.0“: Fortsetzung mit Systemfehler

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 26. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Sie tanzt wieder – und diesmal ist alles eine Nummer größer: „M3GAN 2.0“ bringt die ikonische Androidin zurück auf die große Leinwand und verspricht eine Fortsetzung, die in jeder Hinsicht aufdreht.


Kritik zu „M3GAN 2.0“: Fortsetzung mit Systemfehler
Bildnachweis: © 2025 Universal Studios. All Rights Reserved.

Was als kleine Horrorproduktion mit cleverem Marketing begann, entwickelte sich binnen weniger Monate zu einem globalen Phänomen: „M3GAN“ traf Anfang 2023 einen Nerv – stilistisch, thematisch und popkulturell. Die Puppe mit der unheimlich präzisen Choreografie, dem starren Blick und der tödlichen Loyalität wurde zum viralen Star, lange bevor der Film überhaupt in den Kinos lief. Kein Wunder also, dass die Erwartungen an die Fortsetzung „M3GAN 2.0“ hoch sind – doch kann der zweite Teil mehr sein als bloße Meme-Maschine und Marketingprodukt?


Darum geht es:


Zwei Jahre nach dem blutigen Zwischenfall mit M3GAN scheint Ruhe eingekehrt. Gemma kämpft inzwischen für strengere KI-Gesetze – bis sie erfährt, dass das Militär mit dem gestohlenen M3GAN-Code eine tödliche Waffe erschaffen hat: Amelia. Die neue KI hat bereits ihre Entwickler ausgelöscht und verfolgt ein finsteres Ziel – sie will eine uralte Superintelligenz befreien und zur gottgleichen Weltherrscherin aufsteigen. Als plötzlich M3GAN selbst wieder auftaucht, muss Gemma ihrer einstigen Schöpfung erneut einen neuen Puppenkörper geben, um die Welt zu retten.


Die Rezension:


Gerard Johnstones „M3GAN 2.0“ ist eine kalkuliert überdrehte Fortsetzung, wie sie Hollywood bereits mehrfach hervorgebracht hat. Der Horror des ersten Teils wurde gegen eine überbordende Melange aus Action, Satire und Popkultur-Ironie eingetauscht. Wer dem Vorgänger bereits unterhaltsame Momente abgewinnen konnte, dürfte auch hier auf seine Kosten kommen. Wieder gibt es tanzende Puppen und zahlreiche Szenen, die wie gemacht scheinen für TikTok-Clips, Instagram-Reels oder als virale GIFs – doch die Entscheidung, die Handlung rund um eine ausgedehnte KI-Verschwörung, einen überdimensionierten Weltrettungsplot und konkurrierende Androiden aufzublähen, geht erzählerisch nicht auf. Zwar bemüht sich das Drehbuch von Johnstone um gesellschaftspolitische Relevanz – etwa durch medien- und kapitalismuskritische Untertöne – doch diese bleiben derart plakativ, dass man sie kaum ernst nehmen kann.


Kritik zu „M3GAN 2.0“: Fortsetzung mit Systemfehler
Bildnachweis: © 2025 Universal Studios. All Rights Reserved.

Wo M3GAN selbst im Vorgänger noch als ambivalente Bedrohung inszeniert wurde – eine künstliche Intelligenz, deren Fürsorge in tödliche Konsequenz umschlug –, avanciert sie hier zur makellosen Superheldin. Cool, selbstbewusst und kampfbereit ist sie mittlerweile weit mehr als nur eine Puppe. Doch über ihre Fähigkeiten hat Gerard Johnstone augenscheinlich noch keine feste Meinung, denn während es einerseits zur Exposition gehört, dass Menschen ihr einen Körper geben müssen, damit sie ins Geschehen eingreifen kann, war es ihr andererseits durchaus ohne menschliche Hilfe möglich, eigenständig ein ganzes Bunkersystem unterhalb von Gemmas Haus zu errichten. Gesteht man sich also erst einmal ein, dass hier nur wenig Sinn ergibt, bekommt man durch das deutlich höhere Produktionsbudget doch zumindest gut choreografierte Action und ein Puppen-Duell.


Als Gegenspielerin wird M3GAN Amelia entgegengestellt – eine zweite, noch effizientere KI-Entwicklung, die äußerlich kühler, kontrollierter, in ihrer inneren Logik jedoch ebenso konstruiert erscheint wie M3GAN selbst. Verkörpert von Ivanna Sakhno, bringt Amelia zwar physische Präsenz und eine gewisse ästhetische Bedrohlichkeit mit, erfüllt dramaturgisch jedoch lediglich die Funktion eines Antagonismus-Katalysators. Ihre Motivationen bleiben diffus. Alles steuert auf den finalen Kampf der Puppen zu, der dann zumindest recht unterhaltsam gelungen ist. Gleichzeitig vernachlässigt der Film aber jene klassischen Tugenden, die auch im Trash- oder Genrekino wichtig sind: Aufbau von Spannung, Entwicklung von Figuren oder das Setzen von erzählerischen Höhepunkten. Stattdessen reiht sich Szene an Szene, Exposition an Exposition, Gag an Gag, ohne dass sich daraus ein organischer Erzählbogen ergibt. Die Laufzeit von rund zwei Stunden ist dafür schlicht zu lang.


Kritik zu „M3GAN 2.0“: Fortsetzung mit Systemfehler
Bildnachweis: © 2025 Universal Studios. All Rights Reserved.

Immer wieder bremsen erklärende Dialoge das Tempo und wie so oft, wenn nichtmenschliche Figuren im Zentrum stehen, geraten die menschlichen Charaktere ins Hintertreffen. Zwar kehren Allison Williams und Violet McGraw als Gemma und Cady zurück, doch ihre Beziehung entwickelt sich kaum weiter. Die emotionale Distanz aus dem ersten Teil bleibt bestehen. Aber auch alle weiteren Figuren bleiben in ihrem Stereotyp gefangen, erfüllen eine einzelne Funktion – mehrschichtige Figuren sucht man hier vergebens. Völlig aus dem Ton fällt schließlich Timm Sharps Polizist Tim Sattler, der in seiner überzeichneten Dummheit eher aus einer Slapstick-Komödie der 1980er-Jahre zu stammen scheint. Abgesehen davon, dass die wenig gruselige Handlung kaum komische Entlastung bedarf, ist er derart überzeichnet, dass er sich nie so recht in die Geschichte einfügen kann.


Fazit:


„M3GAN 2.0“ ist eine überladene Mischung aus Action-Komödie, Meme-tauglicher Puppenchoreografie und aufgeblähter KI-Paranoia. Inhaltlich inkonsistent, dramaturgisch fragmentiert und emotional distanziert, verliert der Film zwischen plakativer Medienkritik und stereotypen Figuren an erzählerischer Schlagkraft.


>>> STARTTERMIN: Ab dem 26. Juni 2025 im Kino.


Wie hat Dir der Film gefallen? Teile Deine Meinung gerne in den Kommentaren!

Weitere Informationen zu „M3GAN 2.0“:

Genre: Action, Komödie, Horror

Laufzeit: 120 Minuten

Altersfreigabe: FSK 16


Regie: Gerard Johnstone

Drehbuch: Gerard Johnstone

Besetzung: Allison Williams, Violet McGraw, Amie Donald und viele mehr ...


Trailer zu „M3GAN 2.0“:


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