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Kritik zu „Screamboat“: Steamboat Willie auf Horror-Kurs

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 6. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

In „Screamboat“ wird aus der einst harmlosen Steamboat-Willie-Maus ein mörderischer Albtraum. Der Film reiht sich in den aktuellen Trend ein, Kindheitsikonen nach Ablauf der Urheberrechte in gnadenlose Killer zu verwandeln


Kritik zu „Screamboat“: Steamboat Willie auf Horror-Kurs
Bildnachweis: © Tiberius Film

Kaum ein Genre bedient sich so geschickt popkultureller Mechanismen wie der Horrorfilm. Seit jeher lebt er von ikonischen Figuren, gesellschaftlichen Ängsten und dem kalkulierten Spiel mit Tabubrüchen. In den vergangenen Jahren hat sich dabei eine neue Spielart etabliert: die blutige Dekonstruktion einst harmloser Märchen- und Cartoonfiguren. Angefeuert durch das Auslaufen urheberrechtlicher Schutzfristen verwandeln sich Kindheitsikonen plötzlich in Killer und Monster. Nach Low-Budget-Produktionen wie „Winnie The Pooh: Blood and Honey“, „Peter Pan's Neverland Nightmare“ und zuletzt „The Mouse Trap“ wurde Disneys Maskottchen Mickey Mouse nun ein weiteres Mal als Killer-Maus verfilmt.


Darum geht es:


Eine Fährfahrt nach New York wird zum schwimmenden Schlachthaus: An Bord der Staten Island Ferry treibt Screamboat Willie sein Unwesen – eine mörderische Maus. Ein Passagier nach dem anderen verschwindet, während die wenigen Überlebenden ums Überleben kämpfen müssen. Wer wird am Ende entkommen – und gibt es überhaupt ein Entkommen?


Die Rezension:


„Screamboat“ ist in erster Linie ein Werk für Trash-Liebhaber und Splatter-Fans, die sich an der makabren Umdeutung einer Popkulturfigur erfreuen können. Der Film, der mit dem Slogan „Von den Machern von ‚Terrifier‘“ beworben wird, lebt vom Trash-Charme, auch wenn er kaum darüber hinausreicht. Die ironische Distanz, die das Werk aufbauen möchte, funktioniert nur bedingt, da es an einem satirischen Unterbau mangelt und der Film sich trotz zahlreicher blutiger Kills zu sehr in oberflächlichen Provokationen verliert. Was „Screamboat“ jedoch von den jüngsten Horroradaptionen gemeinfreier Märchen- oder Cartoonfiguren abhebt, ist, dass man hier tatsächlich versucht hat, die Lore von Mickey Mouse einzuarbeiten. Ob man nun von der Darstellung des Nagers angetan ist oder nicht, muss man den Machern doch immerhin zugutehalten, dass sie wissen, was sie hier parodieren.


Kritik zu „Screamboat“: Steamboat Willie auf Horror-Kurs
Bildnachweis: © Tiberius Film

Das berühmte Pfeifen, der wippende Fuß und die ikonische Steuerrad-Szene gibt es auch in „Screamboat“, wenn auch natürlich ganz anders als im Zeichentrickfilm-Original. Der Handlungsort ist allerdings kein Zufall, sondern eine zwingende Folge der rechtlichen Rahmenbedingungen, denen sich die Filmemacher beugen mussten: Denn die Rechte an der Figur Mickey Mouse sind nur in ihrer ursprünglichen „Steamboat Willie“-Version von 1929 gemeinfrei, was die Handlung des Films – um rechtlich auf der sicheren Seite zu bleiben – unweigerlich auf ein Schiff verlegt. Deshalb wurde der Film auf einem tatsächlich ausrangierten Dampfer gedreht, dessen abgewetzte Metallflächen, niedrige Deckgänge und rostige Verschläge von Natur aus ein Gefühl klaustrophobischer Enge erzeugen und hier atmosphärisch sehr wirkungsvoll ausgespielt werden.


Verkörpert wird die Killer-Maus derweil von einem Menschen, was vermutlich sowohl stilistische als auch auch Budget-Gründe hatte, aber ebenso zu unfreiwilliger Komik führt, wenn ein ums andere Mal die Perspektiven nicht stimmen. Doch ob beabsichtigt oder nicht, in der Darstellung des morbiden Kleinsäugers kann der Film immer wieder für unterhaltsame Momente sorgen. Das liegt vor allem daran, dass David Howard Thornton, bekannt aus der „Terrifier“-Reihe, in die Rolle des mutierten Steamboat-Willie-Verschnitts jene pantomimische Ausdruckskraft einbringt, die seinen Art the Clown zur Kultfigur gemacht hat. Dabei verleiht er der Figur eine seltsame Mischung aus tänzelnder Leichtigkeit und animalischer Brutalität.


Wer sich diesen Film ansieht, darf vor allem eines erwarten: brutale, blutige Kills – und davon liefert „Screamboat“ reichlich: Die praktischen Splatter-Effekte von Quantum Creation FX sind für ein Low-Budget-Projekt überraschend solide. Die Morde sind grobschlächtig, übertrieben und durchaus kreativ inszeniert – mit Harpunen, Draht oder auch Gabelstaplern, wobei stets ein gewisser Slapstick-Charakter mitschwingt. Doch so einfallsreich die Blutfontänen choreografiert sind, so wenig vermag der Film damit inhaltlich zu fesseln. Eindimensional und den Genre-Konventionen treu folgt die Dramaturgie der altbekannten Formel: ein isolierter Schauplatz, eine überschaubare Zahl an Opfern und ein Killer, der seine Mordlust in immer neuen Variationen auslebt.


Kritik zu „Screamboat“: Steamboat Willie auf Horror-Kurs
Bildnachweis: © Tiberius Film

Die Figurenzeichnung ist rudimentär, die Charaktere fungieren als Kanonenfutter, was für ein Slasher-Setting grundsätzlich legitim ist. Problematisch wird es allerdings dann, wenn diese schwach gezeichneten Figuren in den langatmigen Passagen zwischen den Kills die Handlung vorantreiben sollen. Denn mit einer Laufzeit von 102 Minuten sprengt der Film die übliche Länge vergleichbarer Low-Budget-Slasher. Hier offenbart der Film seine größte Schwäche: Er entwickelt keine wirkliche Sogwirkung, weil weder Spannung noch Sympathie für die Figuren entsteht. Gerade in Anbetracht des ohnehin schmalen Budgets wäre hier eine kürzere Laufzeit und eine straffere Inszenierung vermutlich zielführender gewesen.


Fazit:


„Screamboat“ bietet Splatter-Fans reichlich blutige Kills und eine makabre Horror-Variante von Mickey Mouse. Wer jedoch mehr als ein trashiges Gore-Spektakel erwartet, dürfte bei der eindimensionalen Handlung und den flachen Figuren kaum auf seine Kosten kommen.


>>> STARTTERMIN: Ab dem 8. Mai 2025 im Kino.


Wie hat Dir der Film gefallen? Teile Deine Meinung gerne in den Kommentaren!

Weitere Informationen zu „Screamboat“:

Genre: Horror

Laufzeit: 102 Minuten

Altersfreigabe: FSK 18


Regie: Steven LaMorte

Drehbuch: Steven LaMorte

Besetzung: David Howard Thornton, Tyler Posey, Kailey Hyman und viele mehr ...


Trailer zu „Screamboat“:


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