Kritik zu „Woodwalkers 2“: Neues Abenteuer der Gestaltwandler
- Toni Schindele

- vor 6 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Sie sind Puma, Rothörnchen und Bison und doch auch Menschen: Carag, Holly und Brandon gehören zu den Gestaltwandlern. Nun kommt mit „Woodwalkers 2“ ihr neues Abenteuer auf die große Leinwand.

Kaum eine deutsche Kinder- und Jugendbuchreihe der vergangenen Jahre hat ein derart großes Publikum erreicht wie Katja Brandis’ „Woodwalkers“. Über 3,6 Millionen verkaufte Exemplare, Übersetzungen in 27 Sprachen sowie zahlreiche Erweiterungen und Spin-offs haben das Gestaltwandler-Universum längst zu einem festen Bestandteil des zeitgenössischen Fantasy-Markts gemacht. Der erste Kinofilm startete 2024 in den deutschen Kinos und konnte mit über 750.000 Besuchern zwar ein solides Publikum erreichen, blieb im Vergleich zu anderen erfolgreichen Kinderbuchverfilmungen jedoch hinter den ganz großen Erwartungen zurück. Dennoch erwies sich das Projekt als wirtschaftlich tragfähig – nicht zuletzt, weil die Fortsetzung bereits während der Auswertung des ersten Films in Produktion war und das Franchise durch den späteren Streaming-Start zusätzliche Reichweite gewann.
Für den zweiten Teil der geplanten Trilogie wurde hinter der Kamera ein personeller Wechsel vollzogen. Nach Damian John Harper übernahm für „Woodwalkers 2“ ein Regisseur, der im deutschen Kinder- und Familienfilm umfassende Erfahrung mitbringt, mit den „Die Schule der magischen Tiere“-Filmen auch an den Kinokassen für große Erfolge sorgte und bereits mehrfach bewiesen hat, wie sich beliebte Jugendbuchreihen erfolgreich für ein junges Kinopublikum adaptieren lassen. Wie gut ist also das neue Leinwandabenteuer von Carag und seinen Gestaltwandler-Freunden?
Darum geht es:
Ein neues Schuljahr beginnt an der Clearwater High – einer ganz besonderen Schule, an der sich alle Schülerinnen und Schüler in Tiere verwandeln können. Für Carag, den jungen Puma-Wandler, stehen diesmal große Entscheidungen an: Sein früherer Mentor Andrew Milling muss sich vor dem Rat der Woodwalker verantworten – und ausgerechnet Carag ist der wichtigste Zeuge. Obwohl er Milling nicht traut und ihm eigentlich nicht helfen will, bleibt ihm keine andere Wahl. Nur mit seiner Hilfe kann er die Spur zu seinen Eltern aufnehmen. Doch Milling verfolgt finstere Pläne und will das angrenzende Naturschutzgebiet verkaufen – die Heimat aller Gestaltwandler. Gemeinsam mit seinen Freunden Holly, Brandon, Lou und Schneewölfin Tikaani stellt sich Carag dem drohenden Unheil. Doch können sie den Wald retten, bevor es zu spät ist?
Die Rezension:
Im Vorfeld des ersten Films wurde oftmals von der deutschen Antwort auf „Harry Potter“ gesprochen, und nach zwei Filmen ist klar: Diesem Vergleich kann die Gestaltwandler-Reihe nicht gerecht werden, aber sie muss es auch nicht. Wer den ersten Film mochte, wird auch in der Fortsetzung genug finden, um mit dem neuen Leinwandabenteuer von Carag, Brandon und Holly etwas anfangen zu können, allerdings hat auch der neue Kinofilm wieder viele Probleme. „Woodwalkers 2“ setzt die Kinoadaption von Katja Brandis’ erfolgreicher Gestaltwandler-Reihe ohne Umwege dort fort, wo der erste Film aufgehört hat. Dafür überspringt die Fortsetzung den zweiten Band der Vorlage, konzentriert sich stattdessen auf Stoff aus den Bänden drei und vier und versucht, die bisweilen gedehnte Erzählhaltung des ersten Teils durch Verdichtung, stärkere Konfliktführung und mehr Ereignisdichte zu korrigieren.

Dieser Ansatz prägt den gesamten Rhythmus: Exposition wird nur noch in sparsamer Form nachgereicht – teils als Off-Zusammenfassung, teils in Dialogen, die hörbar aufholen wollen –, während die Welt der Gestaltwandler und ihre sozialen Regeln als bekannt vorausgesetzt werden. Inhaltlich verbindet „Woodwalkers 2“ einmal mehr das Coming-of-Age-Genre mit Magie- und Fantasy-Elementen. Zentral geht es im zweiten Film um Macht, Kontrolle und die Frage, wie leicht Vertrauen instrumentalisierbar ist, wenn junge Menschen ihren Platz zwischen zwei Welten suchen. Insbesondere nimmt das wieder aus der Feder von David Sandreuter stammende Drehbuch den sich zuspitzenden Konflikt zwischen den beiden Puma-Wandlern Carag und seinem ehemaligen Mentor Andrew Milling in den Fokus, der sich dieses Mal als Gouverneur zur Wahl in Wyoming stellt, was eine politische Dimension in die Handlung bringt, die es so in der Buchvorlage zwar nicht gibt, dem Film aber ein größeres gesellschaftliches Spielfeld eröffnet, in dem ökologische Fragen und Machtmechanismen deutlicher miteinander verzahnt werden.
Aber auch neben Carag werden nun seine Freunde stärker beleuchtet, die im ersten Film, der sich hauptsächlich mit seiner Ankunft beschäftigte, vor allem Beiwerk waren. So erfahren wir die Hintergrundgeschichte von Rothörnchen-Wandlerin Holly, und Bison-Wandler Brandon wird seinen Mut beweisen. Auch wenn „Woodwalkers 2“ durchaus liebenswürdig angelegt ist, bleibt vieles dabei jedoch sehr generisch, oberflächlich und kann daher kaum mitreißen. Konflikte, etwa Carags Vertrauensbruch gegenüber dem Woodwalker-Rat, werden zwar angesprochen, doch die Reaktionen bleiben auffällig mild, als solle die Geschichte rasch weiter, statt sich wirklich damit auseinanderzusetzen, was das für die Gruppe bedeutet. Parallel rückt Lou, die im ersten Film als mögliche romantische Richtung angedeutet wurde, erzählerisch plötzlich in den Hintergrund, während Tikaani stattdessen an ihre Stelle tritt.

Dabei ist der Film erkennbar als mittleres Kapitel einer von Beginn an als Trilogie konzipierten Geschichte gedacht, sodass es immer wieder wirkt, als wolle die Handlung vor allem als Brücke fungieren – als Etappe, die vorbereitet, Konflikte verschärft und Figuren und Themen gezielt in Richtung des nächsten Teils führt. Auch wenn es dabei immer wieder humorvolle Momente gibt, schlägt auch „Woodwalkers 2“ erneut einen viel zu pathetischen Grundton an, der von den erstaunlich spröden Dialogen immer wieder konterkariert wird. Außerdem fehlt es dem Fantasy-Abenteuer weiterhin an der notwendigen Prise Magie, um der Gestaltwandler-Prämisse etwas Zauberhaftes verleihen zu können. Immerhin arbeitet der Film mit Komik als Entlastungsventil – vor allem über Holly, die als quirliger Comic-Relief-Charakter viele Momente auflockert.
Lilli Falk verleiht der Figur mit präzisem Timing und kontrollierter Überzeichnung eine Energie, die den ansonsten oft statischen Dialogszenen spürbar entgegenwirkt. Gleichzeitig muss man festhalten, dass das Schauspiel – ohne den Kinderdarstellern dies zum Vorwurf zu machen – noch nicht durchgehend ausgereift wirkt. Gerade in dialog- und emotionsgetragenen Szenen bleiben die Darstellungen häufig sehr steif und hölzern, was es erschwert, sich wirklich in die Welt der Gestaltwandler fallen zu lassen. Gerade Emile Chérif hat durchaus Schwierigkeiten, als Protagonist Carag die Hauptlast des Films zu tragen, und bleibt in Momenten, in denen innere Zerrissenheit, Schuld oder moralischer Druck greifbar werden müssten, zu zurückhaltend. Allerdings ist das bedeutungsschwangere Drehbuch oftmals auch nicht gerade entgegenkommend, da der Film insgesamt sehr wenig Leichtigkeit zulässt.

Gerade bei Teenagerfiguren wäre eine größere Bandbreite von Impulsivität, Übermut, peinlichen Grenzüberschreitungen und emotionalem Überschwang ein Mittel, um Beziehungen wahrhaftiger zu machen und damit auch Konflikte schärfer zu zeichnen. Hier bleibt der Film jedoch schlicht zu steif. Visuell profitiert „Woodwalkers 2“ erneut von seinen wunderschönen Natur- und Landschaftsaufnahmen. Gedreht wurde in vier Ländern – Deutschland, Österreich, Italien und erstmals auch in Belgien –, wobei europäische Landschaften entsprechend der Buchvorlage den US-Schauplatz Wyoming und die Region um Jackson darstellen müssen. Das gelingt in der Totalen erstaunlich oft, weil Tiroler Berglandschaft und alpine Weite als glaubwürdige Stellvertreter funktionieren; zugleich ist die Illusion nicht unantastbar – wer genau hinsieht, wird bemerken, dass sich die europäische Vegetation nicht vollständig mit der Pflanzenwelt im Westen der Vereinigten Staaten deckt.
Als Clearwater High dient erneut die Außenansicht eines Gebäudes im Schnalstal in Südtirol, während Innenräume in Mitteldeutschland nachgebaut wurden; weitere Aufnahmen entstanden unter anderem in Bayern, und mit den Dolomiten holt der Film neue Panorama-Reize bis hin zu einem hoch gelegenen Drehort knapp unter 2000 Metern. Musikalisch untermalt wurde „Woodwalkers 2“ wieder von Anne-Kathrin Dern, die sowohl die vielen Landschaftsaufnahmen als auch die Dialogszenen mit sehr bedeutungsschwangeren Klängen unterlegt. Verlässlich schwillt der epische Soundtrack an, um immer wieder zu verdeutlichen, wie dramatisch die hier erzählte Geschichte sein soll, was letztlich eher wie eine dramaturgische Krücke wirkt: als müsste die Tonspur nachreichen, was die Szenen zwischen den Figuren nicht organisch erzeugen.

Am angreifbarsten ist – wie schon sein Vorgänger – auch „Woodwalkers 2“ dort, wo die Reihe ihr Alleinstellungsmerkmal einlösen muss: bei den Verwandlungen und den Tiersequenzen. „Woodwalkers 2“ bietet eine Vielzahl tierischer Auftritte auf: Es gibt über 25 Tierrollen, mehr als 500 Einstellungen mit echten und digitalen Tieren sowie insgesamt über 500 VFX-Shots, an denen sieben VFX-Studios beteiligt waren. Das ist ein Produktionsaufwand, der durchaus Respekt abnötigt und weitgehend auch eine gelungene Immersion ermöglicht. Vielmehr hat „Woodwalkers 2“ erneut das Problem, dass die Verwandlungen keiner klaren inneren Logik folgen. Das Problem mit der Kleidung wurde auch in der Fortsetzung nicht gelöst: Mal fällt sie wie ein zurückgelassenes Bündel zu Boden, mal zerreißt sie in Hulk-Manier.
Solche Inkonsistenzen sind nicht nur Pedanteriefragen, sondern wirken auf die Glaubwürdigkeit des Weltenbaus zurück: Je stärker ein Film eine magische Fantasiewelt behauptet, desto sauberer müssen seine eigenen Rahmenbedingungen wirken, damit Zuschauer nicht anfangen, über Spielregeln statt über die eigentliche Handlung nachzudenken. Zudem setzt die Reihe weiterhin auf ihr Telepathie-Konzept, bei dem Tiere sprechen, ohne dass sich Münder bewegen – ein Kunstgriff, der einerseits den Budgetgrenzen einer deutschen Produktion geschuldet ist und andererseits eine gewisse Naturtreue bewahrt, im Bild jedoch häufig eine unfreiwillige Komik erzeugt, weil Ton und Bewegung nicht zusammenfinden und damit die emotionale Bindung zwischen Gesagtem und Gezeigtem oftmals nicht aufgeht. Außerdem wirken die Dialoge oftmals geradezu asynchron und vor allem recht unbetont, was die Szenen noch künstlicher erscheinen lässt.

Am Ende findet „Woodwalkers 2“ zu einem Finale, das im Vergleich zum ersten Teil klarer als Klimax funktioniert: Stärker als im Vorgänger rückt der Film ökologische Konflikte und Naturschutz als handlungsbestimmenden Motor ins Zentrum und verdichtet diese Linie bis zu einem Protest-Showdown, in dem erstmals deutlicher spürbar wird, dass Konsequenzen nicht nur behauptet werden, sondern tatsächlich eintreten könnten. Auch die Produktionsdimension dieser Endkonfrontation ist beachtlich: Für den großen Abschluss wurde eine Woche lang mit zwei Units und vier Kameras parallel gearbeitet; über hundert Menschen vor und hinter der Kamera sowie 15 Tierarten waren beteiligt. Vor allem aber löst das Finale erzählerisch etwas ein, das das Franchise dringend braucht: eine klare Richtung. Wo der erste Film noch vor allem Auftakt und Aufbauarbeit war, erzeugt die Fortsetzung auf der Zielgeraden tatsächlich einen spannenden Cliffhanger, der plausibel zeigt, warum Teil drei als Abschluss notwendig ist.
Fazit:
Trotz immer wieder wunderschönen Natur- und Landschaftsaufnahmen und einer treffsicheren Botschaft zum Schutz der Natur bleibt „Woodwalkers 2“ als Coming-of-Age-Fantasy-Film inhaltlich zu generisch und hat zu wenig Magisches an sich, um wirklich mitzureißen.
>>> STARTTERMIN: Ab dem 29. Januar 2026 im Kino.
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Weitere Informationen zu „Woodwalkers 2“:
Genre: Abenteuer, Fantasy, Coming-of-Age
Laufzeit: 102 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Regie: Sven Unterwaldt
Drehbuch: David Sandreuter
Besetzung: Emile Chérif, Lilli Falk, Johan von Ehrlich und viele mehr ...
Trailer zu „Woodwalkers 2“:





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