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Nach Schwangerschaft ausgetauscht: Caro Cult wirft Fragen zum Mutterschutz am Set auf

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Verlust einer bereits zugesagten Rolle, der Vorwurf mangelnden „Sex-Appeals“ und ein Rechtsstreit ohne Urteil: Der Fall Caro Cult entfacht eine Debatte darüber, wie die Filmbranche mit schwangeren Schauspielerinnen umgeht.


Caro Cult blickt bei einer Veranstaltung direkt in die Kamera. Die Schauspielerin trägt ein weißes Oberteil und silberne Creolen; im Hintergrund sind helle Fensterfronten und unscharfe Personen zu sehen.
Bildnachweis: Beerenpfanne, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zwei Jahre nach den Dreharbeiten holt ein Rollenwechsel bei der ARD-Serie „Schattenseite“ die Branche ein. Caro Cult war für die Produktion bereits fest eingeplant, verlor das Engagement jedoch kurz nach der Mitteilung, dass sie schwanger sei. Wie der Spiegel berichtet, war Cult im Sommer 2024 für die Rolle der Lehrerin Diana Kahle vorgesehen. Nach dem erfolgreichen Casting hatte sie bereits Regiegespräche geführt und an einer Kostümprobe teilgenommen, als sie die Produktion kurz vor Drehbeginn über ihre Schwangerschaft informierte. Wenig später zog Dreamtool das Angebot zurück und besetzte die Figur, die im Verlauf der Serie eine Beziehung mit einem Schüler eingeht, mit Franziska von Harsdorf. Als „Schattenseite“ im Oktober 2025 mit seinen sechs Folgen in die ARD-Mediathek kam, hatte Cult den Konflikt längst öffentlich gemacht.


Bereits im Mai erzählte sie dem Wirtschaftsmagazin Sheconomy von dem verlorenen Engagement – damals allerdings noch ohne Namen zu nennen. Erst jetzt wurde bekannt, dass es um die für ARD Degeto Film, den Hessischen Rundfunk und funk entstandene Coming-of-Age-Thriller-Serie und dessen Produktionsfirma Dreamtool Entertainment ging. Über die Gründe für die Umbesetzung gehen die Darstellungen auseinander. Nach Aussage Cults wurde ihrer Agentin erklärt, sie besitze als Schwangere nicht mehr den für die Rolle erforderlichen „Sex-Appeal“. Dreamtool bezeichnete die Äußerung gegenüber dem Spiegel als unangemessen und nicht autorisiert, bestritt jedoch, dass sie für die Entscheidung maßgeblich gewesen sei. Das Unternehmen verwies stattdessen auf geplante Außennachtdrehs bei winterlichen Temperaturen, die Vorgaben des Mutterschutzes und mögliche Schwierigkeiten mit der Filmausfallversicherung.


Anpassungen des Drehplans, eine veränderte Inszenierung und der Einsatz eines Körperdoubles seien geprüft worden, hätten sich in der verbleibenden Zeit jedoch nicht umsetzen lassen. Cult hält dagegen, ihre Schwangerschaft hätte durch Kostüm, Bildgestaltung und technische Hilfsmittel verborgen werden können. Im September 2024 zog die Schauspielerin vor das Arbeitsgericht Berlin. Dort stand neben dem Rückzug des Angebots auch die Frage im Raum, ob durch die Zusage und die bereits begonnenen Vorbereitungen schon ein wirksamer Arbeitsvertrag zustande gekommen war. Zu einer gerichtlichen Klärung kam es nicht: Beide Seiten einigten sich auf einen Vergleich, nach dem Cult die Hälfte der ursprünglich vereinbarten Gage als Schadensersatz erhalten soll.


Ob Dreamtool sie rechtswidrig wegen ihrer Schwangerschaft benachteiligte, blieb damit offen. Nach dem Bekanntwerden des Falls erklärte Cult auf Instagram, Frauen dürften nicht aus Angst um ihre Arbeit so tun müssen, als würden sie keine Kinder bekommen. Werdende Mütter sollten dieselben beruflichen Chancen erhalten, ohne um das bereits Erarbeitete bangen zu müssen; die Filmbranche sei aus ihrer Sicht weiterhin nicht gleichberechtigt. In den Kommentaren erhielt sie Unterstützung von mehreren Kolleginnen. Svenja Jung schrieb, es könne nicht sein, dass Frauen „sich verstecken oder die Schwangerschaft so lang wie möglich verheimlichen sollen, damit sie weiter arbeiten dürfen“. Ihr selbst sei von Kolleginnen früh geraten worden, im Fall einer Schwangerschaft „mit niemandem am Set darüber [zu] reden“ und den Bauch „nach hinten [zu] binden“.


Mit Blick auf Cults Rollenverlust fügte Jung hinzu: „Und das war wahrscheinlich ein guter Tipp, weil du deinen Job ja auch behalten hättest, wenn du nicht ehrlich deine Schwangerschaft kommuniziert hättest.“ Auch Nadine Menz schilderte eine eigene Erfahrung: „Habe die selbe Erfahrung machen müssen, aber kurz nach der Geburt, weil die Produktion ‚schlechte Erfahrungen‘ mit stillenden Müttern gemacht hat.“ Lisa-Marie Koroll dankte Cult dafür, „den Mut gefunden“ zu haben, „laut zu werden“. Lea van Acken schrieb: „dein Kampf ist für uns alle.“ Lea Wolfram kommentierte: „Danke für deinen Mut! So wichtig und so überfällig!“ Die persönlichen Schilderungen lassen sich weder unabhängig überprüfen noch ohne Weiteres mit Cults Fall gleichsetzen. Sie zeigen jedoch, dass ihre Erfahrung unter Schauspielkolleginnen Befürchtungen und Erinnerungen berührt, die über diesen einzelnen Konflikt hinausreichen.

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