Neue Studie enthüllt: Frauen führten 2025 nur bei 8 Prozent der umsatzstärksten Filme Regie
- Toni Schindele

- 2. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Eine neue Studie der USC Annenberg Inclusion Initiative zeigt: Nur rund 8 Prozent der 100 umsatzstärksten US-Kinofilme des Jahres 2025 wurden von Frauen inszeniert. Damit fällt der Anteil weiblicher Regiepositionen auf den niedrigsten Stand seit 2008 und liegt deutlich unter dem Wert des Vorjahres.

Die USC Annenberg Inclusion Initiative ist ein wissenschaftlicher Think-Tank an der University of Southern California, der von Dr. Stacy L. Smith gegründet und geleitet wird. Sie erforscht Diversität und Inklusion in der Unterhaltungsbranche, also wie Geschlecht, ethnische Herkunft, LGBTQ+, Alter und andere Merkmale in Medieninhalten und in der Beschäftigung hinter der Kamera repräsentiert werden. So auch dieses Jahr mit dem neuen Bericht „Inclusion in the Director’s Chair“, verfasst von Dr. Stacy L. Smith und Dr. Katherine Pieper, der wieder einmal die 100 umsatzstärksten US-Kinofilme analysiert. Für 2025 wurden insgesamt 111 Regie-Credits gezählt, da einige Produktionen von mehreren Personen gemeinsam inszeniert wurden. Allerdings entfielen nur neun dieser Credits entfielen auf Frauen aus acht Produktionen, was einem prozentualen Anteil von acht Prozent entspricht. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 13,4 Prozent. Zuvor war über mehrere Jahre hinweg ein allmählicher Anstieg zu beobachten gewesen.
Die Studienautorinnen sprechen nun von einem deutlichen Rückschritt und verweisen darauf, dass ein ähnlich niedriger Wert zuletzt 2008 gemessen wurde. Erstmals seit Beginn der Auswertung waren mehr Women of Color vertreten als weiße Regisseurinnen. Gleichzeitig bleibt die Gesamtzahl weiblicher Regiepositionen jedoch sehr gering. Die Regisseurinnen, die 2025 einen der 100 erfolgreichsten Filme verantworteten, sind namentlich Chloé Zhao mit „Hamnet“, Celine Song mit „Materialists“, Nisha Ganatra mit „Freakier Friday“, Emma Tammi mit „Five Nights at Freddy’s 2“, Domee Shi und Madeline Sharafian mit „Elio“, Jennifer Kaytin Robinson mit „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, Maggie Kang mit „KPop Demon Hunters“ sowie Hikari mit „Rental Family“. Über den gesamten Untersuchungszeitraum von 2007 bis 2025 wurden 2.002 Regie-Credits ausgewertet. 1.869 davon entfielen auf Männer und 133 auf Frauen. Der langfristige Frauenanteil liegt damit bei 6,6 Prozent. Betrachtet man die individuelle Zahl der Filmschaffenden, zeigt sich ein ähnlich deutliches Bild.
1.000 Personen inszenierten in diesem Zeitraum einen oder mehrere Filme in den Top-100-Jahrescharts. 896 davon waren Männer und 104 Frauen. Besonders sichtbar wird die Ungleichverteilung bei wiederkehrenden Engagements. So inszenierten männliche Regisseure wie Tyler Perry, Steven Spielberg, Ridley Scott oder Clint Eastwood mehrfach große Studiofilme, während nur sehr wenige Frauen mehr als einmal in dieser Liste vertreten sind. Die USC-Forscherinnen bewerten die fehlenden Anschlussaufträge als ein zentrales Strukturproblem. Stacy L. Smith fasst dies so zusammen: Eine einzelne Gelegenheit im Blockbuster-Bereich reiche nicht aus, entscheidend seien kontinuierliche Karrieremöglichkeiten. Die Studie analysiert auch, welche Studios Frauen in der Regie einsetzen. Für 2025 meldet der Bericht weibliche Regie-Credits vor allem bei Universal Pictures und Walt Disney. Gleichzeitig tauchten 2025 bei einigen großen Studios keine Regisseurinnen in den Top-100-Listen auf, etwa bei Paramount Pictures, Warner Bros. und Lionsgate.
Neben dem Geschlecht untersucht der Bericht auch die Repräsentation ethnisch unterrepräsentierter Regisseurinnen und Regisseure. Ihr Anteil lag 2025 bei 24,3 Prozent. Damit liegt dieser Bereich über dem Niveau früherer Jahre, stagniert jedoch seit 2018. Besonders auffällig ist die Situation von Women of Color: Sie sind zahlenmäßig am stärksten unterrepräsentiert, erzielen laut Studie aber im Durchschnitt die höchsten Kritikerbewertungen. Die Autorinnen folgern daraus, dass die geringe Beschäftigung nicht durch Leistung erklärbar sei. Im Vergleich zu anderen Produktionsbereichen fällt der Unterschied deutlich aus. Im US-Episodenfernsehen sowie bei großen Filmfestivals liegt der Anteil weiblicher Regiepositionen deutlich höher. Die Untersuchung beschreibt dieses Gefälle als „finanzielle Klippe“: Je größer Budget und wirtschaftliches Risiko eines Films sind, desto geringer wird der Frauenanteil in der Regie.





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