„Oderbruch“-Head-Autor Arend Remmers im XXL-Interview zu Staffel 2: „Serien müssen sich weiterentwickeln“
- Toni Schindele

- 27. Feb.
- 12 Min. Lesezeit
„Ich wollte unbedingt nicht noch einmal das Gleiche erzählen. Der große Twist der ersten Staffel ist erzählt – wir haben Vampire. Das heißt: In der zweiten Staffel ist „Oderbruch“ nun ganz klar eine Vampirserie“, erzählt Arend Remmers.

Rund zwei Jahre nach dem Start der ersten Staffel meldet sich „Oderbruch“ zurück. Mit 13 Millionen Abrufen entwickelte sich die Serie in der ARD Mediathek schnell zu einem großen Publikumserfolg. In der zweiten Staffel werden die Vampir-Geschwister Maggie und Kai nun von Gejagten zu Jägern – entschlossen, den mörderischen Kreislauf ihrer eigenen Existenz zu durchbrechen. Erneut verantwortet Arend Remmers als Head-Autor und Serienschöpfer die Drehbücher. Vor dem Start der sechs neuen Episoden hat er sich Zeit für ein großes Interview genommen.
Der Film Journalist: Du arbeitest seit Jahren eng mit Christian Alvart und Adolfo Kolmerer zusammen. Was macht diese Dreierkonstellation aus?
Arend Remmers: Christian, Adolfo und ich sind nicht nur Partner, sondern auch enge Freunde. Wir machen sehr viel zusammen, helfen uns gegenseitig und sind je nach Projekt unterschiedlich involviert. Bei „Sløborn“ war es eher Christians Serie – ich habe dort mitgeschrieben, aber er hatte klar die kreative Gesamtverantwortung. Bei „Oderbruch“ war es im

Grunde umgekehrt, auch wenn wir das Projekt von Anfang an gemeinsam entwickelt haben. Die Ursprungsidee kam von mir, aber „Oderbruch“ ist trotzdem auch etwas, das Christian und ich gemeinsam zusammengetragen haben. Selbst wenn ich die meisten Bücher geschrieben habe, gab es keine Entscheidung, keinen größeren inhaltlichen Schritt, den wir nicht gemeinsam durchgesprochen und durchdacht hätten. Christian hat dabei mit seiner Erfahrung eine enorme Rolle gespielt. Er hat mich in gewisser Weise unter seine Fittiche genommen und mich durch das Minenfeld geführt, das es bedeutet, eine Serie zu machen. Das war extrem hilfreich – und auch befreiend.
Der Film Journalist: Du bist bei „Oderbruch“ nicht nur Ideengeber, sondern auch Head-Autor. Was bedeutet das konkret?
Arend Remmers: Kurz gesagt – es war eine Mammutaufgabe. Ich hatte bei der ersten Staffel mit Martin Benke und Ronny Schalk zwei Co-Autoren, die jeweils erste Fassungen einzelner Bücher geschrieben haben. Aber als Head-Autor musst du die Bücher am Ende nach Hause bringen. Du bekommst Feedback von Redaktion, Produktion, teilweise auch schon aus der Regie, und musst das alles zusammenführen. Einen klassischen Writers’ Room, wie man ihn aus den USA kennt, gibt es hier selten. Dafür reichen oft weder Budget noch Zeit. Also arbeitet man in Einzelmeetings, entwickelt gemeinsam, und irgendwann sind die anderen Autoren zeitlich nicht mehr verfügbar. Ab diesem Punkt liegt die Verantwortung vollständig bei dir. Bei „Oderbruch“ war es so, dass ich relativ früh die komplette Verantwortung für alle Bücher übernommen habe – und das auch wollte.
Aber das ist körperlich und mental extrem fordernd. Allein die Masse ist gewaltig, vor allem, wenn man diese Verantwortung zum ersten Mal in dieser Form trägt. Ich habe bei „Dogs of Berlin“, „Ze Network“ und „Sløborn“ von Projekt zu Projekt mehr Verantwortung übernommen. Aber die letzte Verantwortung zu tragen, ist etwas völlig anderes, und es geht nicht mehr nur um gute Ideen, sondern darum, Entscheidungen zu treffen – und mit ihren Konsequenzen zu leben. Du bist ständig mit Kritik konfrontiert und du musst lernen, damit umzugehen: zu unterscheiden, welche Kritik hilfreich ist, welche nicht, was du übernehmen kannst, ohne deine eigene Vision zu verlieren. Das ist ein permanenter Balanceakt.

Der Film Journalist: Gab es einen Moment im Schreibprozess, in dem du für eine Idee besonders kämpfen musstest?
Arend Remmers: Ja, also ein gutes Beispiel ist die vierte Folge in der ersten Staffel. Diese Episode war mir persönlich extrem wichtig. Ich wollte unbedingt eine Folge machen, die sich fast komplett von der Haupt-Storyline löst und eine einzelne Figur in den Mittelpunkt stellt. Das war schwer durchzusetzen, weil es vermeintlich aus der Serie ausbricht, und die erste Fassung war auch noch zu lang und zu sperrig. In solchen Momenten war Christians Erfahrung dann entscheidend. Er hat mir geholfen, das Buch strukturell so zu formen, dass es funktioniert – ohne die Idee aufzugeben. Ich habe die kreative Verantwortung also nicht allein getragen. Gerade in kniffligen Situationen konnte ich mich darauf verlassen, dass da jemand ist, der den Überblick behält und weiß, wie man ein Buch so baut, dass es auch realisierbar ist.
Der Film Journalist: Wie viel Kontrolle hast du dann noch über die Umsetzung, wenn die Bücher fertig sind?
Arend Remmers: Ein Stück weit muss man dann tatsächlich loslassen. Viele inszenatorische Entscheidungen liegen dann bei Adolfo, und das ist auch gut so. Ich schätze seinen Geschmack sehr. Natürlich sprechen wir über vieles: Kostüme, Tonalität und auch einzelne Szenen. Aber ich konnte gar nicht überall dabei sein. Das ist erst mal ungewohnt, aber auch ein Geschenk. Man sieht plötzlich, wie andere Menschen die eigenen Gedanken weiterdenken.
Der Film Journalist: Wenn wir nochmals zurückgehen: Du hast einmal erzählt, dass die Idee zu „Oderbruch“ durch einen Wochenendausflug entstanden ist, den deine Frau vorgeschlagen hat. Kannst du beschreiben, was dich dort zuerst gepackt hat?
Arend Remmers: Das war tatsächlich genau so. Meine Frau Ina hat nach Ausflugszielen gesucht und meinte irgendwann: Das Oderbruch ist nicht weit weg und landschaftlich sehr besonders. Sie kennt meine Interessen gut und hat mir dann einen Artikel geschickt, in dem es darum ging, dass dort bis heute menschliche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden. Es gibt Freiwillige, die sich ausschließlich darum kümmern, gefallene Soldaten zu exhumieren, ihre Gebeine zu identifizieren und ihnen eine würdige Grabstätte zu geben. Diese Vorstellung hat mich sofort fasziniert. Ich habe mich dann tiefer mit der Geschichte der Region beschäftigt – rund um die Seelower Höhen hat die größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden stattgefunden. Gleichzeitig waren da diese Landschaftsbilder.

Das Oderbruch ist für Deutschland ungewöhnlich: extrem menschenarm, weit, flach und still. Bis heute ist es eine der am dünnsten besiedelten Regionen des Landes. Ich bin auf Fotografen gestoßen, die sich ausschließlich mit dem Oderbruch beschäftigen und Blogs, die nichts anderes machen, als diese Region zu dokumentieren. In diesen Bildern lag etwas Mysteriöses, fast Magisches – und gleichzeitig etwas Bedrohliches. Man denkt als Autor ja immer auch strategisch: Welche Orte wurden im deutschen Fernsehen schon oft erzählt, und welche noch nicht? Und das Oderbruch hatte für mich das Gefühl eines Raums, der noch nicht auserzählt ist. Ein Ort, der real ist, historisch belastet, aber zugleich offen genug, um etwas Eigenes darauf aufzubauen. Es war dieses Gefühl, dass die Landschaft selbst schon eine Geschichte erzählt. Und genau das fand ich als erzählerischen Nährboden unglaublich spannend.
Der Film Journalist: Wann kam dann die Idee ins Spiel, diese Welt mit einem Serienkillerstoff zu verbinden?
Arend Remmers: Das Interessante ist: Diese Idee gab es schon viel früher, völlig unabhängig vom Oderbruch. Ich habe einen guten Freund, der Kriminalkommissar ist, mit dem ich mich öfter austausche. Natürlich erzählt er keine konkreten Fälle, aber man spricht über Muster, über Denkweisen, über Ermittlungslogiken. Ein Gedanke, der mir dabei hängen geblieben ist, war folgender: Für einen Serienkiller ist es extrem riskant, Leichen zu verteilen. Eine einzige Leiche reicht aus, um einen Mordfall auszulösen. Je mehr Tatorte es gibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Die eigentliche Herausforderung besteht also darin, Opfer verschwinden zu lassen – oder sie an einem Ort zu bündeln. Dieser Gedanke hat sich bei mir festgesetzt. Ich hatte irgendwann dieses sehr starke Bild im Kopf: ein Ort, an dem viele Leichen liegen. Ohne zunächst zu wissen, warum oder wie. Dieses Bild war einfach da. Jahre später, als ich mich mit dem Oderbruch beschäftigt habe, hat sich plötzlich alles zusammengefügt. Die Landschaft, die Geschichte, diese Vorstellung eines Leichenbergs – das passte auf einmal. Es war, als hätte das alles auf diesen Ort gewartet.
Der Film Journalist: Entstand aus diesem Bild auch die Idee, den Täter als Vampir zu denken?
Arend Remmers: Ja, wobei das vielleicht überraschend klingt: Ich bin eigentlich gar kein klassischer Vampir-Fan. Es war nie mein Ziel, unbedingt eine Vampirserie zu machen. Mich interessieren Genres generell, und mich interessiert vor allem, was man mit ihnen machen kann. Der Vampir hat für mich als Serienkiller plötzlich einfach Sinn ergeben. Nicht als übernatürliches Wesen im klassischen Sinne, sondern als Figur, die ein besonderes Mordmotiv und einen außergewöhnlichen Mörder liefert. Wir haben den Vampirmythos dann behandelt als

ob er einen wahren Kern hätte, der dann über Jahrhunderte mit unwahren Legenden ausgeschmückt wurde. Und genau diesen Kern wollten wir ernst nehmen – ohne die ganz typischen Genrekonventionen. Wir tun so als ob Vampirismus eine echte Krankheit, ein seltener Gen-Deffekt wäre. So wie Christian das bei „Sløborn“ gemacht hat: Man könnte eine Apokalypse auch wie einen Roland-Emmerich-Film erzählen, aber man kann sie auch als Familiendrama beginnen, als etwas Alltägliches, das sich langsam zuspitzt. Diese Herangehensweise hat mich stark geprägt. „Oderbruch“ sollte zunächst wie ein klassischer Krimi wirken, fast wie eine Tatort-Welt. Und erst nach und nach sollte sich etwas darunter zeigen, das man nicht sofort benennen kann.
Der Film Journalist: Mit diesem Ansatz seid ihr allerdings ein Risiko eingegangen. Gerade das langsame Herantasten an das Übernatürliche ist ja nicht unbedingt marktlogisch. Wie wurde das Projekt in der Entwicklungsphase aufgenommen?
Arend Remmers: Es war ehrlich gesagt ein langer Weg. „Oderbruch“ hatte eine ziemlich ausgedehnte Reise, bevor die Serie letztlich realisiert wurde. Ganz am Anfang war das Projekt einmal bei Sky. Das hat kreativ aber nicht wirklich zusammengepasst, also haben wir uns wieder getrennt. Danach haben wir eine ganze Reihe von Absagen bekommen. Der zentrale Kritikpunkt war fast immer derselbe: Wenn es eine Vampirserie ist, dann müsse das Vampirische auch sofort sichtbar sein. Viele wollten, dass das Thema bereits in der ersten Folge eindeutig benannt wird. Die Idee, aus einer realistischen Krimiwelt heraus langsam etwas Übernatürliches zu entdecken, stieß auf viel Skepsis.
Der Film Journalist: Gab es einen Moment, in dem ihr überlegt habt, diesen Ansatz zu verändern?
Arend Remmers: Nein, eigentlich nicht. Das war für uns der Kern der Serie. Natürlich haben wir

den Pitch angepasst – ursprünglich war der große Twist sogar erst am Ende der ersten Staffel geplant. Aber dass wir den Mythos nicht sofort ausstellen, sondern ihn aus der Realität heraus entwickeln, das wollten wir auf keinen Fall aufgeben. Gerade dieser schleichende Übergang war für mich das Spannendste an dem Projekt. Wenn man das Vampirische von Anfang an klar benennt, verliert man genau das, was „Oderbruch“ für mich besonders macht. Dann wäre es einfach eine weitere Vampirserie – wenn auch mit einer anderen Erklärung. Aber das hätte mich nicht gereizt.
Der Film Journalist: Und dann kam die ARD Degeto ins Spiel?
Arend Remmers: Ja, und das war wirklich ein Glücksfall. Die Degeto hat diesen Ansatz nicht nur akzeptiert, sondern ausdrücklich unterstützt. Es gab kein ständiges Infragestellen, kein Zurückrudern. Im Gegenteil: Sie fanden gerade diese Idee stark und haben uns darin bestärkt, daran festzuhalten. Das war extrem wichtig, weil es uns den Rücken freigehalten hat. Wir konnten das Konzept so umsetzen, wie wir es uns vorgestellt hatten – ohne Kompromisse an der falschen Stelle. Diese Art von Vertrauen ist im deutschen Serienbereich nicht selbstverständlich.
Der Film Journalist: Trotzdem ist ein solcher Genrebruch immer ein Wagnis. Wie habt ihr die Reaktionen auf die erste Staffel wahrgenommen?
Arend Remmers: Man hat schon gemerkt, dass die Serie auch polarisiert. „Oderbruch“ war ein großer Erfolg, hatte viele Zuschauer, war sogar die erfolgreichste Serie der ARD Mediathek in dem Jahr und hat bis heute über 13 Millionen Abrufe - aber es gab auch einen Teil des Publikums, der ab einem bestimmten Punkt ausgestiegen ist. Gerade ab der vierten Folge, wenn sich das Genre klar verschiebt, haben manche gesagt: Das ist mir zu viel, das geht mir zu weit. Das ist schade, aber es ist auch Teil der Entscheidung, die wir getroffen haben. Ein Genrebruch ist immer ein Risiko. Man gewinnt neue Zuschauer und verliert andere. Aber mich reizt genau das. Ich möchte Dinge machen, die sich nicht komplett berechnen lassen. Das entspricht auch meinem eigenen Geschmack.
Der Film Journalist: Du meintest einmal, dass ihr bereits früh über mehrere Staffeln hinweg denkt. Wie konkret ist diese Vorausplanung bei „Oderbruch“?
Arend Remmers: Das ist uns extrem wichtig. Christian und mir – und auch Adolfo – war von Anfang an klar, dass wir nichts erzählen wollen, bei dem wir später überlegen müssen, wie wir da wieder rauskommen. Ich finde es persönlich sehr frustrierend, wenn man Serien schaut, vor allem Mystery-Formate, bei denen man das Gefühl hat, die Macher wissen selbst nicht genau, wohin die Geschichte führt. Bei „Lost“ gab es später ja auch das Eingeständnis, dass viele Dinge während des Erzählens entstanden sind, ohne dass klar war, wie sie aufgelöst werden. Bestimmte Mysterien tauchen auf und verschwinden wieder, ohne je wirklich eingelöst zu werden. Das wollten wir unbedingt vermeiden.

Der Film Journalist: Heißt das, du kennst das Ende von „Oderbruch“ bereits?
Arend Remmers: Ja, den großen Bogen kenne ich. Ich weiß, worauf die Geschichte insgesamt hinauslaufen soll. Das bedeutet nicht, dass jedes Detail feststeht, aber die zentralen Konflikte, die großen Entscheidungen der Figuren – die sind klar. Gerade bei einer Serie wie „Oderbruch“ halte ich das für essenziell. Wenn man mit übernatürlichen Elementen arbeitet, braucht man eine innere Logik, sonst verliert man schnell das Vertrauen des Publikums. Die Geschichte muss von Anfang an ein Ziel haben. Ich würde sagen: Vielleicht fünfzig Prozent müssen feststehen, die anderen fünfzig Prozent müssen flexibel bleiben. Es gibt so viele Faktoren, die sich im Laufe einer Produktion verändern – Besetzungen, Drehbedingungen oder Figuren, die plötzlich stärker werden als gedacht.
Was ich schreibe, ist am Ende nicht eins zu eins das, was im fertigen Schnitt landet. Manchmal merkt man erst dort, welcher Konflikt wirklich trägt. Dann verschiebt sich der Fokus. Und genau dafür braucht man Spielraum. Das ist auch der Grund, warum ich es für gefährlich halte, zu weit im Voraus alles festzuzurren. Man kann nicht vier Staffeln komplett durchplotten. Dafür fehlt nicht nur die Zeit, sondern auch die notwendige Offenheit gegenüber dem Prozess. Bei der ersten Staffel war uns immer bewusst, dass es auch bei einer einzigen Staffel bleiben könnte. Deshalb wollten wir ein Ende, das sich abgeschlossen anfühlt – ohne die Tür komplett zuzuschlagen. Es sollte kein frustrierender Cliffhanger sein, aber man sollte spüren, dass diese Welt größer ist und weitergehen könnte.
Der Film Journalist: Und mit der zweiten Staffel verschiebt sich dieser Fokus?
Arend Remmers: Ja, definitiv. Mir war von Anfang an klar, dass „Oderbruch“ nicht dauerhaft im

Oderbruch spielen kann. Serien müssen sich weiterentwickeln. Der Spirit der Region bleibt wichtig, auch in Staffel zwei – es gibt Rückblenden, Bezüge, und wir hatten auch wieder Drehtage in Deutschland. Aber erzählerisch macht es keinen Sinn, dort zu bleiben. Die Figuren sind auf der Flucht. Sie würden nicht ausharren. Deshalb war früh klar, dass sie ins Ausland gehen. Spanien hat sich für uns aus mehreren Gründen angeboten, sowohl praktisch als auch atmosphärisch. Es gibt der Serie einen neuen Look, ein neues Gefühl, ohne ihre Identität zu verlieren. Der Kontrast ist stark: In der ersten Staffel haben wir Sumpf, Nebel, Wasser, Kälte. In der zweiten Staffel geht es ins Trockene – Staub, Sand, Hitze, Schweiß.
Das ist ein völlig anderer Look, ein anderer Vibe, erzählt aber im Kern etwas sehr Ähnliches: Abgeschiedenheit, Leere, existenzielle Räume. Adolfo und ich sind beide große Western- und Wüstenfans. Diese Landschaften haben im Kino eine enorme Kraft. Die zweite Staffel ist nicht mehr ganz so düster und plot-driven wie die erste, sondern fokussiert sich stärker auf die Figuren und ihre Entwicklung. Denn ich wollte unbedingt nicht noch einmal das Gleiche erzählen. Der große Twist der ersten Staffel ist erzählt – wir haben Vampire. Das heißt: In der zweiten Staffel ist „Oderbruch“ nun ganz klar eine Vampirserie. In der ersten Staffel war das Vampirische ein Mysterium. Jetzt ist es Realität.
Der Film Journalist: Du hast gerade angedeutet, dass die Figuren stärker in den Mittelpunkt rücken – außerdem erwarten uns auch neue Figuren. Was kannst du uns da schon verraten?
Arend Remmers: Ja, wir haben ein großartiges neues Ensemble. Allen voran Emily Kusche. Sie

ist eine absolute Lieblingsschauspielerin von uns, und ich habe die Rolle der Tochter von Maggie im Grunde für sie geschrieben. Das war mir schon während der ersten Staffel klar. Ich habe ihr früh davon erzählt, sie hatte sofort Lust – und glücklicherweise hat es auch zeitlich gepasst. Mit Sabin Tambrea konnten wir ebenfalls jemanden gewinnen, den wir uns schon lange gewünscht haben. Adolfo hatte zuvor mit ihm den Film „Sebastian Fitzeks Der Heimweg“ für Amazon gedreht und sehr gute Erfahrungen gemacht. Als ich mir Sabin in diesen Szenen vorgestellt habe, war für mich sofort klar: Das ist er. Und auch hier hatten wir Glück, dass alles zusammengepasst hat. Was ich außerdem schon sagen kann: Maggie und Kai treten relativ schnell aus der Opferrolle heraus. Sie drehen den Spieß um. Es geht um Jäger und Gejagte – allerdings nicht eindimensional. Beide sind auf der Flucht, aber sie überlegen auch, wie sie mit ihrer Situation umgehen und wie ihr Leben noch Sinn haben kann.
Für Kai ist das besonders zentral. Er hat eine offene Rechnung mit seiner eigenen Existenz, mit dieser Krankheit, mit seiner Spezies. Er hasst sie – und er hasst sich selbst dafür. Maggie und Kai lernen gemeinsam, mit dieser Existenz zu leben, mit all ihren Risiken und Gefahren. Wir haben von Anfang an etabliert, dass es nur noch sehr wenige Vampire gibt – eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Und es gibt eine Organisation, einen Verbund, den wir bereits in der ersten Staffel angedeutet haben. Dieser Verbund wird in der zweiten Staffel richtig erzählt: Wer sind diese Vampire? Wo kommen sie her? Und sie jagen Maggie. Dass sie mit Vera eine Tochter hat, ist zunächst noch ein Geheimnis – aber die Frage ist, wie lange. Vera selbst weiß nämlich rein gar nichts. Sie kennt weder die Wahrheit über ihre Mutter noch über ihre eigene Vergangenheit. Sie lebt ein normales Leben – bis sie aus diesem Alltag gerissen wird. Was Sabins Figur betrifft, halte ich mich noch bewusst zurück. Nur so viel: Es ist nicht das, was man zuerst denkt. Und später ist er noch einmal nicht das, was man denkt. Eine Figur mit doppeltem, vielleicht sogar dreifachem Boden.
Der Film Journalist: Abschließend gefragt: Gibt es bereits konkrete Pläne für eine dritte Staffel?
Arend Remmers: Also, die dritte Staffel hat derzeit noch kein grünes Licht, das hängt ganz klar vom Erfolg der zweiten ab. Aber ich würde sehr, sehr gerne weitermachen. Ich habe Ideen für noch zwei weitere Staffeln.





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