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Ronny Schalk im Interview zu „Oktoberfest 1905“: „Es war unswichtig, dass die zweite Staffel nochmals etwas ganz Eigenes ist“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 12. Sept. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

„Die Möglichkeit, die Figuren aus der ersten Staffel weiterzuentwickeln, hat uns alle sehr gereizt“, erzählt Headautor Ronny Schalk über „Oktoberfest 1905“ – die Fortsetzung der preisgekrönten ARD-Serie, die nun in eine neue Zeit aufbricht.


Ronny Schalk im Interview zu „Oktoberfest 1905“: „Es war unswichtig, dass die zweite Staffel nochmals etwas ganz Eigenes ist“
Bildnachweis: (l) © BR/ARD Degeto Film GmbH/MDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Stephan (r) © ARD/BR/ARD Degeto Film/MDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Jan Saurer

Das Oktoberfest kennt fast jeder – zumindest in seiner heutigen Form als weltbekanntes Volksfest mit Millionenpublikum. Zum allerersten Mal fand es bereits am 17. Oktober 1810 statt – damals allerdings als Pferderennen zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese. Ein höfisch-militärisches Ereignis, weit entfernt von dem, was man heute mit Bierzelten, Blasmusik und Hendl verbindet. Die typische Wiesn-Stimmung entwickelte sich erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte. Ihre erste Hochphase als kommerziell organisiertes Volksfest erlebte das Oktoberfest zwischen 1870 und 1910 – eine Ära des Aufbruchs, aber auch der Kommerzialisierung mit zunehmender Konkurrenz unter Brauereien und Wirten.


Diesen historischen Hintergrund nimmt die ARD-Event-Serie „Oktoberfest 1900“ als Ausgangspunkt für eine fiktionalisierte, aber historisch angelehnte Geschichte. Federführend entwickelt wurde sie von Ronny Schalk, einem erfahrenen Drehbuchautor, bekannt durch Serien wie Netflix-Hit „Dark“, „Ich bin Dagobert“ und „Oderbruch“ sowie durch den Kinofilm „Wir wollten aufs Meer“. Nachdem „Oktoberfest 1900“ 2020 sowohl im Fernsehen als auch in der ARD Mediathek ein großer Erfolg war – gekrönt vom Deutschen Fernsehpreis als „Bester Mehrteiler“ – war schnell klar, dass das Format fortgesetzt werden soll. Doch es dauerte fünf Jahre, bis die Fortsetzung Realität wurde – in der Serienhandlung ebenso wie in der Produktion: „Oktoberfest 1905“ knüpft fünf Jahre später an.


Curt Prank hat inzwischen seine ehrgeizigen Vorhaben durchgesetzt: Die monumentale Bierburg

Ronny Schalk im Interview zu „Oktoberfest 1905“: „Es war unswichtig, dass die zweite Staffel nochmals etwas ganz Eigenes ist“
Bildnachweis: © BR/Zeitsprung Pictures GmbH/Dusan Martince

auf dem Oktoberfest steht, die Übernahme der Hoflinger-Brauerei ist vollzogen. Doch der Preis ist hoch: Innerhalb der Familie eskaliert der Machtkampf, alte Allianzen zerbrechen, und selbst die Ehe zwischen Roman und Clara gerät in Schieflage. Im Mittelpunkt der neuen Folgen steht diesmal auch ein ganz besonderer Ort: das traditionsreiche Wirtshaus Deutsche Eiche, das nicht nur heute eine wichtige Rolle im Münchner Stadtleben spielt, sondern schon zur Zeit der Serienhandlung existierte. Wenige Tage vor dem offiziellen Start – ab dem 12. September in der ARD Mediathek, ab dem 20. September zur Primetime im Ersten – lud der Sender zu einer Presseveranstaltung in genau dieses Wirtshaus ein.



Vor Ort waren unter anderem Regisseur Stephan Lacant, die Produzenten Alexis von Wittgenstein, Michael Souvignier und Til Derenbach, das Schauspielensemble um Klaus Steinbacher, Mercedes Müller, Mišel Matičević, Brigitte Hobmeier und Michael Kranz – und auch Headautor Ronny Schalk selbst. Im exklusiven Interview verrät er, welche Fragen ihn an der zweiten Staffel besonders gereizt haben, ob bereits Ideen für eine dritte Staffel existieren – und weshalb ausgerechnet die Deutsche Eiche zum Zentrum der neuen Geschichte wurde.


Der Film Journalist: Schon vor der Veröffentlichung der ersten Staffel meinten Sie, dass Sie Ideen für weitere Folgen hatten. Was hat Sie denn am meisten daran gereizt, die Geschichte rund um Clara, Roman und Curt weiterzuführen?


Ronny Schalk: Sehr viel, aber dadurch, dass wir jetzt fünf Jahre nach der ersten Staffel sind, gab es auch unterschiedliche Ideen. Es gab frühere Entwürfe, in denen wir die Figuren da abgeholt haben, wo sie am Ende der ersten Staffel standen. Damals war der Plan, die Story nahtlos fortzusetzen. Weil wir dann aber viel Zeit in der Entwicklung verbracht haben, wurde irgendwann

Ronny Schalk im Interview zu „Oktoberfest 1905“: „Es war unswichtig, dass die zweite Staffel nochmals etwas ganz Eigenes ist“
Bildnachweis: © BR/ARD Degeto Film GmbH/MDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Michael Kotschi

klar, dass wir uns stark auf die inneren Familienkernthemen konzentrieren wollen. Da kamen viele Fragen auf. Die zentrale war immer: Was macht Curt Prank mit Roman Hoflinger und kann Romans Ehe mit Clara bestehen? Aber weil wir mehr Zeit in der Entwicklung gebraucht hatten als erst gedacht, mussten wir auch zeigen: Was ist eigentlich in der Zwischenzeit passiert? Und wie sehr haben die Konflikte in dieser Zeit geschwelt? Die Möglichkeit, die Figuren aus der ersten Staffel weiterzuentwickeln, hat uns alle sehr gereizt. Außerdem: Es war uns wichtig, dass die zweite Staffel nochmals etwas ganz Eigenes ist. Während die erste Staffel noch viel auf dem Oktoberfest selbst spielte, geht es jetzt noch mehr um die Machtkämpfe und Intrigen in der Hoflinger-Saga.


Der Film Journalist: Ist die Hoflinger-Saga mit Staffel 2 für Sie abgeschlossen – oder denken Sie bereits über weitere Folgen nach?


Ronny Schalk: Es gibt tatsächlich wieder viele Ideen. Wir wissen, wie die Geschichte in Bayern weitergeht, und wir wissen, dass es historisch noch viele interessante Momente gibt. Zum Beispiel war das Oktoberfest auch mal geschlossen, etwa in der Kriegswirtschaft. Aber aktuell gibt es noch nichts Konkretes, und wir wissen auch noch nicht, wann wir für eine dritte Staffel in die Entwicklung gehen könnten.


Der Film Journalist: Staffel 1 hatte sechs Folgen, Staffel 2 nun nur noch vier. War die kompaktere Erzählweise eine kreative Entscheidung – oder eine produktionelle Notwendigkeit?


Ronny Schalk: Es gab auch für die zweite Staffel sechs Folgen, die geschrieben waren, weil man eigentlich so weitermachen wollte, aber dann kamen wirtschaftliche Hintergründe dazwischen, weil klar wurde: So wie bei der ersten Staffel lässt sich das heute nicht mehr stemmen. Deshalb haben wir gesagt: Lass uns die Geschichte nicht mehr so breit und episch erzählen, sondern uns auf die Dynamik innerhalb der Familie konzentrieren. Dramaturgisch haben wir uns dann sehr bewusst fokussiert. Die Figuren werden in Situationen hineingeworfen, müssen reagieren, und dann geht es Schlag auf Schlag.


Der Film Journalist: Wir befinden uns hier heute im Hotel Deutsche Eiche, das bereits zur Zeit der Serienhandlung existierte und vor allem auch in den neuen Folgen eine Schlüsselrolle spielt. Wie viel Überliefertes stand Ihnen dafür zur Verfügung, also wie historisch authentisch ist das, was man in der Serie über diesen Ort sieht?


Ronny Schalk: Wir haben sehr viel recherchiert und uns sehr mit der Zeit beschäftigt: Wo können

Ronny Schalk im Interview zu „Oktoberfest 1905“: „Es war unswichtig, dass die zweite Staffel nochmals etwas ganz Eigenes ist“
Bildnachweis: © BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Dusan Martincek

wir etwas hernehmen? In dem Zuge sind wir auf die Deutschen Eiche gestoßen, da gab eine Zuhälterin, die Napoleon hieß – kurz Nappi genannt. Rein faktisch gesehen war das aber wahrscheinlich etwas später. Wir haben sehr viel über diesen Ort gelesen, aber vieles stammt aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, wo es dort wirklich wilde Geschichten gab. Aber das ist dann auch unsere Aufgabe: All das, wofür ein Ort steht – diesen Flair – aus der Zeit herauszunehmen und dort hineinzupacken, wo man es trotzdem historisch nachvollziehen kann. Es ist kein Dokumentarfilm. Wer es ganz genau wissen will, sollte selbst nachrecherchieren. Eine Buchempfehlung wäre da beispielsweise „Erinnerungen an die Deutsche Eiche“ von Harry Baer. Unsere Geschichte aber ist immer auch der Dramaturgie unterworfen – historisch angelehnt, aber auch immer mit Blick auf das, was wir erzählen wollen.


Der Film Journalist: Am 12. September startet die neue Staffel in der ARD Mediathek, am 20. September läuft sie dann zur Prime Time im Ersten. Warum sollte man diese vier Folgen auf keinen Fall verpassen?


Ronny Schalk: Weil es wieder sehr unterhaltsam ist, wir viele bekannte, aber auch neue Figuren haben und es sehr spannend wird, sie dabei zu verfolgen, wie sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen wollen und dabei in einen Machtkampf geraten. Ich glaube, das ist wahnsinnig spannend zum Zuschauen, weil diese Staffel auch sehr modern erzählt ist. Schauspielerisch hatten wir auch wieder ein herausragendes Ensemble und auch als Gesamtproduktion ist „Oktoberfest 1905“ auf einem wirklich guten internationalen Niveau.

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