Tim Dünschede im Interview zu „Die drei ??? – Toteninsel“: „Es ist ein Film, der im Kino einfach unglaublich viel Spaß macht“
- Toni Schindele

- 24. Jan.
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Es ist wieder soweit. Die drei Kult-Detektive aus Rocky Beach kehren zum dritten Mal zurück auf die große Leinwand, und auch wieder hat sich der Regisseur Tim Dünschede, der alle Filme inszeniert hat, Zeit für ein großes Interview zum neuen „Die drei ???“-Kinofilm genommen.

Seit über fünf Jahrzehnten sind „Die drei ???“ fester Bestandteil der Popkultur und längst mehr als nur eine Jugendkrimireihe. Was 1964 in den USA als „The Three Investigators“ begann, entwickelte sich insbesondere in Deutschland zu einem generationsübergreifenden Phänomen: mit Millionen verkaufter Bücher und Hörspiele, ausverkauften Live-Tourneen und einer Fangemeinde, die weit über das ursprüngliche Zielpublikum hinausreicht. 2023 gelang schließlich mit dem Kinofilm „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ auch der Durchbruch auf der großen Leinwand: Über 1,5 Millionen Menschen strömten in die Kinos, der Film platzierte sich in den deutschen Jahrescharts vor internationalen Blockbustern und ebnete den Weg für weitere Fortsetzungen.
Mit „Die drei ??? – Toteninsel“ hat man sich nun einen der bekanntesten und beliebtesten Fälle der gesamten Reihe vorgenommen. Der Jubiläumsband aus dem Jahr 2001 genießt in der Fangemeinde bis heute einen besonderen Ruf. Wie schon bei den ersten beiden Filmen stand auch bei „Die drei ??? – Toteninsel“ erneut Regisseur Tim Dünschede hinter der Kamera, der sich kurz vor Kinostart wieder Zeit für ein großes Interview genommen hat. Klären wir also die wichtigen Fragen: Wie nah ist der Film an der beliebten Vorlage, wie dreht man Autofahrten mit einem Schauspieler, der eigentlich noch gar nicht Auto fahren kann, und natürlich: Was erwartet uns im neuen Kinoabenteuer von Justus, Peter und Bob und warum sollte man es keinesfalls verpassen?
Der Film Journalist: Jetzt, nachdem Sie sich über drei Filme hinweg intensiv mit den „Drei ???“ beschäftigt haben: Haben Sie dabei noch einmal etwas Neues über die drei Detektive aus Rocky Beach gelernt?
Tim Dünschede: Also während der sehr intensiven Vorbereitung auf diese drei Filme habe ich ehrlich gesagt keine wirklich neuen Erkenntnisse über die drei Fragezeichen gewonnen. Man muss ja auch sagen, dass ich die Jungs gewissermaßen schon sehr lange kenne. Ich habe mir selbst mit neun oder zehn Jahren meine erste Drei-Fragezeichen-Kassette auf dem Flohmarkt gekauft, und seitdem begleiten sie mich mein ganzes Leben lang. Ich würde nicht sagen, dass ich sie in- und auswendig kenne, aber doch gut genug, als dass es bei der Vorbereitung auf die Filme – gerade auf die letzten beiden – noch große Überraschungen gegeben hätte. Was sich allerdings deutlich verändert hat, ist mein Bild von den drei Jungs vor der Kamera, die den Detektiven aus Rocky Beach auf der großen Leinwand Leben einhauchen: Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl – ich begleite und kenne sie nun schon seit etwa sechs Jahren.
Beim ersten Dreh waren sie 12, 13 und 14 Jahre alt, beim letzten dann 16, 17 und 18, inzwischen

sind sie bereits 17, 18 und 19. Es war daher wirklich schön zu sehen, wie sie sich über die Filme hinweg entwickelt haben, wie sie immer mehr zu diesen Figuren wurden und immer tiefer in ihre Rollen eingetaucht sind. Gerade im dritten Teil haben sie das, wie ich finde, ganz großartig gemacht – davor auch schon, aber hier merkt man noch einmal deutlich, wie viel reifer sie geworden sind und wie gut ihre Dynamik untereinander funktioniert. Das trägt auf der Leinwand enorm. Ergänzt wird das Ganze dieses Mal durch die wundervolle Momo Beier als Jelena Charkova, die dem Trio immer wieder ordentlich einheizt und vor allem mit Justus regelmäßig auf Konfrontationskurs geht und nicht klein beigibt. Das hat dem Film insgesamt sehr gutgetan.
Der Film Journalist: Der erste Film war vielleicht noch stärker als Coming-of-Age-Rätselabenteuer angelegt, „Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ein klar klassisch erzählter Whodunit. Was ist für Sie die Essenz von „Die drei ??? – Toteninsel“?
Tim Dünschede: „Die drei ??? – Toteninsel“ ist für mich ein klassischer Abenteuerfilm – mit klaren Anleihen an große, alte Abenteuerfilme. Für jüngere Zuschauer sind das etwa „Die Goonies“, für ein älteres Publikum auch „Indiana Jones“: mit monumentaler Musik, starken, großen Bildern und einer Erzählung, in deren Zentrum immer eine Reise steht. Von dieser Warte

aus haben wir uns auch den drei Filmen insgesamt genähert. Für uns war es unglaublich spannend, dass man unter dem großen Deckmantel der drei Fragezeichen und der dort etablierten Welt gleich in drei unterschiedliche Genres eintauchen konnte und sich filmisch ausprobieren durfte. Gerade im deutschen Kino ist das sonst nur sehr schwer möglich. Umso mehr war es ein großes Geschenk, dass wir mit den drei Fragezeichen die Freiheit hatten, uns in diesen unterschiedlichen Genres des Kinos zu bewegen und auszuprobieren.
Der Film Journalist: Die klassische Drei-???-Hörspielfolge dauert im Schnitt rund 70 Minuten, aber bei „Die drei ??? – Toteninsel“ ist ja die Besonderheit, dass die Vorlage ein Dreiteiler mit einer Laufzeit von rund zweieinhalb Stunden ist. Jetzt folgt Ihr Film auch lange der Vorlage bis zur Ankunft auf der Toteninsel, weicht dann aber deutlich ab. Warum haben Sie sich dafür entschieden, den Twist um „Project Dragon“ und Makatao als streng geheime US-Militäranlage mit verbotenen Raketentests nicht zu übernehmen? Lag das an der jungen Kernzielgruppe der Filme?
Tim Dünschede: Wir hatten „Die drei ??? – Toteninsel“ zwar schon sehr früh auf unserer Liste, weil der Stoff an sich unglaublich cineastisch ist, ganz viele starke Bilder bereits in sich trägt und uns sofort filmisch gepackt hat; trotzdem haben wir ihn zunächst wieder beiseitegelegt, weil gerade der dritte Teil, der Band um „Project Dragon“, extrem groß gedacht ist. Das hat uns immer wieder vor die Frage gestellt, wie wir das filmisch überhaupt umsetzen wollen und können. Da spielen natürlich ganz banale Fragen eine Rolle – also wie viel Budget steht zur Verfügung, was lässt sich finanziell umsetzen, aber auch, was ist logistisch überhaupt herstellbar? Welche Sets, Locations, Motive und Drehorte können wir realisieren, um der Geschichte gerecht zu werden? Und da stößt man mit deutschen Budgets relativ schnell an klare Grenzen.
Nachdem wir verschiedene andere Fälle durchgespielt hatten, sind wir trotzdem immer wieder

zur Toteninsel zurückgekehrt, weil sie uns inhaltlich einfach am stärksten gefesselt hat. Deshalb haben wir das dann auch offen André Marx, dem Autor und zugleich unserem dramaturgischen Berater, vorgestellt. Er war zunächst sehr angetan, wir haben aber im gleichen Atemzug deutlich gemacht, dass wir für eine Verfilmung vor allem den hinteren Teil der Geschichte stark umschreiben müssten. Auch dafür war er sehr offen und hat uns intensiv unterstützt. Gemeinsam haben wir dann gewissermaßen einen neuen dritten Akt entwickelt. Ein weiterer entscheidender Faktor war natürlich unsere Zielgruppe. Die unterscheidet sich deutlich von der der Romane und Hörspiele, denn unsere Filme sind klar mit FSK 6 ausgewiesen; wir richten uns also an Kinder ab sechs Jahren.
Elemente wie eine geheime Militärbasis, atomare Raketensprengköpfe, CIA-Operationen, militärische Strukturen und große Explosionen wären für diese Altersgruppe schlicht zu hart gewesen. Man muss hier klar trennen: Die Zielgruppen der Bücher und insbesondere der Hörspiele sind deutlich älter. Es gibt mit den „Die drei ??? Kids“ zwar eine eigene Reihe für jüngere Fans, aber die klassische Marke hat eine riesige, erwachsene Fanbase, die mit den drei Detektiven aufgewachsen ist und sie bis heute hört und liest. Für den Film mussten wir daher einen Sweet Spot finden: die ausgewiesene Zielgruppe mit FSK 6 nicht zu verlieren und gleichzeitig die Geschichte so zu erzählen, dass auch ältere Fans ihr folgen können und Spaß daran haben.
Der Film Journalist: Wie schon das Finale von „Die drei ??? und der Karpatenhund“ gezeigt hat, gibt es nun auch den ikonischen roten MG, und wir haben im dritten Film erstmals auch Szenen, in denen Peter selbst Auto fährt. Aber Peter-Darsteller Nevio Wendt war zum Drehzeitpunkt erst 17 Jahre alt. Und da ihr nicht in den USA gedreht habt – wo Peter in den Vorlagen legal fahren dürfte –, sondern in Spanien, wo Autofahren erst ab 18 erlaubt ist: Wie haben Sie das gelöst?
Tim Dünschede: Genau, im zweiten Film bekommt das Trio bei uns den roten MG von Onkel Titus

und Tante Mathilda geschenkt. Ich weiß, im Original ist der Wagen klassisch Peter zugeordnet, bei uns haben wir das bewusst etwas offener gehalten. Fakt ist aber: Der rote MG ist im Spiel – und Peter fährt ihn dann auch im dritten Teil. Nevio Wendt hatte zwar bereits einen Führerschein für das Begleitete Fahren, der gilt allerdings in Spanien nicht. Entsprechend mussten wir bei den Drehs immer ein wenig tricksen. Erschwerend kam hinzu, dass der rote MG technisch nicht in bestem Zustand war und häufig genau dann nicht gefahren ist, wenn er hätte fahren sollen. Das hat zu einigen Verzögerungen und Problemen am Set geführt. Wir mussten sogar ein oder zwei Szenen nachdrehen, weil das Auto an den geplanten Drehtagen schlicht nicht einsatzbereit war.
Grundsätzlich gilt: Wenn man Peter im fahrenden Auto sieht, insbesondere im Straßenverkehr, sitzt immer ein Stuntman am Steuer. In diesen Fällen ist es nie der Darsteller selbst. Peter fährt tatsächlich nur die letzten Meter – und auch das nur im Rollen. Eine kleine Ausnahme gibt es gleich zu Beginn auf dem Schrottplatz. Dort konnte der Wagen tatsächlich fahren, allerdings nur im ersten Gang. Weil es sich um ein von uns kontrolliertes Privatgelände handelte, durfte Nevio Wendt das Auto dort ganz kurz selbst bewegen – aber wirklich nur die letzten Meter und ausschließlich im ersten Gang. Deshalb bleibt der Wagen auch relativ abrupt stehen: Er ist unterwegs abgesoffen, der Bremskraftverstärker fiel aus, und auch die Servolenkung setzte aus. Daher musste der Wagen teils vorher angeschoben werden, bis er etwas Tempo hatte, und Nevio durfte dann noch lenken und bremsen. Mehr war unter den Umständen schlicht nicht drin.
Der Film Journalist: Sie haben erneut viele beeindruckende Sets geschaffen, die das amerikanische Flair transportieren – nun aber auch erstmals die titelgebende Toteninsel. Wurden diese Drehorte ebenfalls auf Gran Canaria realisiert, und wie haben Sie es geschafft, die Insel so authentisch zum Leben zu erwecken?
Tim Dünschede: Sowohl den zweiten als auch den dritten Teil haben wir vollständig auf Gran

Canaria gedreht. Ursprünglich hatten wir allerdings geplant, die Dschungelaufnahmen für „Die drei ??? – Toteninsel“ – also das Lager vor dem Eingang zur Grabkammer – auf La Palma umzusetzen. Das ist eine Nachbarinsel, die tatsächlich über dichten Urwald verfügt. Auf Gran Canaria gibt es zwar Palmenwäldchen, aber keinen echten Dschungel. Auf La Palma hatten wir dafür auch eine aus unserer Sicht perfekte Location gefunden: eine Schlucht mit einem kleinen Wasserlauf, einem Wasserfall und einer offenen Fläche, die wir als Höhleneingang hätten erzählen können. Das Ganze war logistisch ideal gelegen, direkt an einer Landstraße mit großem Parkplatz, und trotz des eigentlich unwegsamen Geländes sehr gut zugänglich – also auch für Dreharbeiten hervorragend geeignet.
Dann hat uns allerdings das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es kam zu einem schweren Unwetter, in dessen Folge es auf La Palma zu einem Erdrutsch kam. Der Zugang zur Schlucht sowie die Straße dorthin waren verschüttet. Wir haben lange gehofft, dass die Aufräumarbeiten schneller vorangehen und wir doch noch auf der Insel drehen könnten, aber am Ende war das nicht mehr realisierbar. Also mussten wir umdenken und erneut nach Alternativen suchen – und haben schließlich alles auf Gran Canaria gefunden. Der Dschungel ist zum Beispiel im botanischen Garten Gran Canarias entstanden. Für das Lager, das ursprünglich in der Schlucht geplant war, haben wir ein anderes, sehr passendes Set entdeckt: ein stillgelegtes Bewässerungsbecken ehemaliger Bananenplantagen, mitten in einer Wohnsiedlung gelegen, das es so auch in den Film geschafft hat.
Auf diese Weise haben wir unser Makatao Stück für Stück aus vielen einzelnen Mosaiksteinen

zusammengesetzt, die wir auf der Insel gefunden haben. Die Totalen, in denen man die Insel in ihrer Gesamtheit sieht, sind hingegen komplett digital entstanden. Dabei haben wir uns aber so nah wie möglich an der Cover-Illustration der Toteninsel orientiert und versucht, deren Atmosphäre filmisch nachzuempfinden. Alles andere – also der Großteil dessen, was man im Film sieht – wurde tatsächlich real auf Gran Canaria gefunden und dort auch gedreht.
Der Film Journalist: Sie sagten, relativ früh nach dem ersten Film sei klar gewesen, dass es eine Trilogie werden soll. Heißt das: Der neue Film ist tatsächlich als Abschluss gedacht – oder könnte es noch weitergehen?
Tim Dünschede: Es wird tatsächlich noch einen vierten Teil geben, und ich werde auch wieder dabei sein. Anil Kizilbuga schreibt erneut das Drehbuch. Der Film wird noch in diesem Jahr realisiert und soll im kommenden Januar Premiere feiern. Ich werde mich also tatsächlich noch einmal – ein allerletztes Mal – nach Rocky Beach begeben und mit den drei Jungs auf mein letztes Abenteuer gehen. Diese Entscheidung habe ich lange mit mir herumgetragen. Am Ende war für mich aber ausschlaggebend, dass man eine gemeinsame Reise auch gemeinsam beenden sollte. Deshalb habe ich mich noch einmal dazu entschlossen, auch den vierten Teil der Reihe zu machen. Wir enden also nicht mit „Die drei ??? – Toteninsel“, sondern es geht noch einmal weiter.
Der Film Journalist: Aber bevor es nächstes Jahr nochmals weitergehen wird, steht nun erst mal der dritte Film im Kino an. Warum sollte man „Die drei ??? – Toteninsel“ unbedingt auf der großen Leinwand sehen?
Tim Dünschede: Weil es ein waschechter Abenteuerfilm ist – mit allem, was dazugehört: viel Musik, große, epochale Bilder und eine Geschichte, die den Scope einer großen Kinoleinwand nicht nur verdient, sondern ihn auch ausfüllt. Es ist ein Film, der im Kino einfach unglaublich viel

Spaß macht, gerade weil man ihn gemeinsam schauen sollte. Abenteuerfilme funktionieren im Verbund am besten. Es gibt viele lustige, skurrile und komische Momente, bei denen man wirklich lachen muss – und genau das macht im Kinosaal noch einmal deutlich mehr Freude als zu Hause vor dem Fernseher. Diese gemeinsame Erfahrung verstärkt die Wirkung des Films enorm. Ich glaube deshalb, dass es ein ganz besonderes audiovisuelles Erlebnis ist, vor allem auch für Kinder, denn der Film ist klar für Kids gemacht, und ich hoffe, dass sie ihn in der Gruppe, mit Freunden oder der Familie sehen und dadurch noch mehr Spaß daran haben.





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